Luftfahrt Nach der Air-Berlin-Pleite wieder im Aufwind

Berlin / Dieter Keller und Dorothee Torebko 13.08.2018
Ein Jahr nach der Insolvenz von Air Berlin haben viele Mitarbeiter einen neuen Job. Der Markt hat sich beruhigt.

Flugangebot

Am 27. Oktober 2017 landete der letzte Flug von Air Berlin auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Danach übernahm die Deutsche Lufthansa 77 der 140 Maschinen samt der Start- und Landerechte, dem eigentlichen Kapital der Fluglinie. Alle Maschinen waren geleast, gehörten also Air Berlin gar nicht. Die meisten Lufthansa-Flugzeuge gingen an die Billigtochter Eurowings.  25 Air-Berlin-Maschinen kaufte Easyjet samt Flugrechten, weitere 20 der Tochter Niki Laudamotion. Niki Lauda will die Mehrheit an Ryanair verkaufen.

 Der Übergang verlief reichlich chaotisch, weil die Übernahme der Maschinen und das Einstellen von Mitarbeitern dauerten. Zeitweise gab es viel zu geringe Kapazitäten insbesondere auf innerdeutschen Verbindungen. Der Einbruch ist an den Zahlen des Flughafenverbands ADV abzulesen: Im ersten Halbjahr gab es innerdeutsch rund fünf Prozent weniger Passagiere als 2017. Auch im Juni bremste noch das verminderte Angebot den Zuwachs. Die Angebotslücke werde „im Jahresverlauf noch geschlossen“, heißt es beim ADV.

Flugpreise

Nach der Pleite und dem Ende des Air-Berlin-Flugbetriebs schossen die Ticketpreise zunächst in die Höhe, weil deutlich weniger Flüge angeboten wurden. Erst als die Konkurrenten Eurowings und Easy­jet die Slots von Air Berlin schrittweise übernahmen, konnten sich die Passagiere freuen: Die Preise fielen wieder. Zwar waren sie im Frühjahr im Schnitt noch höher als ein Jahr zuvor. Aber derzeit sind Flüge innerhalb Deutschlands, Europas oder interkontinental so billig wie zuletzt im Jahr 2012. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, die der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft auswertete. Hauptgrund ist, dass das Angebot der Billigflieger rapide ansteigt. Je mehr sie Strecken besetzen, desto größer ist der Wettbewerb – und das senkt die Preise. Wo es dagegen Monopole gibt, sind Tickets immer noch teuer.

Mitarbeiter

85 Prozent der zuletzt rund 8000 Mitarbeiter von Air Berlin haben einen neuen Job, heißt es im Unternehmen. Allerdings häufig zu schlechteren Konditionen, beklagt Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle. Am besten dran waren die Piloten, denn die sind europaweit und international gesucht. Für etwa 1000 Mitarbeiter, die Easyjet übernahm, konnte die Dienstleistungsgewerkschaft vergleichbare Konditionen aushandeln. Anders sah es bei Eurowings aus: Die Lufthansa-Billigtochter stellte zwar etwa 3000 Bord-Mitarbeiter ein. Aber alle mussten sich neu bewerben, und selbst wenn sie Erfolg hatten, dann nur mit erheblichen finanziellen Einbußen. Behle spricht von Lohnverlusten von bis zu 40 Prozent.

Gut gelaufen ist es dagegen laut Verdi für die Techniker und Mitarbeiter in der Verwaltung: Sie landeten erst einmal in einer Transfergesellschaft. Inzwischen haben viele eine neue Stelle, wenn auch oft in einem ganz anderen Feld. So bot das Land Berlin Jobs in seiner Verwaltung an, die dringend Mitarbeiter sucht.

Gläubiger

Hunderttausende haben noch Ansprüche gegen Air Berlin, weil ihre Tickets verfallen sind. Im Gegensatz zu Pauschalreisen gibt es beim Buchen von Flugscheinen keinen Insolvenzschutz. Wer vor dem 15. August 2017, also dem Tag der Insolvenzanmeldung, gebucht und bezahlt hatte, kann nur Forderungen bei Insolvenzverwalter Lucas Flöter anmelden. Der weiß noch nicht einmal, wie viele es sind. „Wir haben es bislang noch nicht geschafft, alle Gläubiger zu erfassen“, sagte der Insolvenzverwalter dem RBB-Inforadio. Er rechnet mit weit mehr als einer Million Gläubigern, darunter eben viele Ticketkäufer.

Dass sie noch Geld bekommen, ist  unwahrscheinlich. Flöter weiß weder, wie viele Schulden die Fluglinie hatte, noch wie viel Geld er auftreiben kann, etwa bei Ex-Anteilseignern. Er überlegt, gegen die Fluggesellschaft Etihad zu klagen, die mit 29 Prozent beteiligt war und zugesagt hatte, Air Berlin noch mindestens ein Jahr lang zu finanzieren. Das Insolvenzverfahren abzuwickeln, kann bis zu zehn Jahre dauern.

Wenn Flöter Geld bekommt, dann hat der Bund mit seinen Forderungen Vorrang. Er hatte kurzfristig 150 Millionen Euro Kredit gewährt, damit nach der Anmeldung der Insolvenz der Flugbetrieb nicht sofort stoppte. Davon hat er erst die Hälfte zurückbekommen.

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