Berlin Myanmar-Expertin: „Das Militär spaltet das Land“

Mandy Fox forscht am Lehrstuhl für Südostasienstudien in  Passau.  	Foto: privat
Mandy Fox forscht am Lehrstuhl für Südostasienstudien in Passau. Foto: privat © Foto: privat
Berlin / Thomas Block 23.09.2017

Nach der Demokratisierung Myanmars sind alte Konflikte wieder ausgebrochen, sagt Mandy Fox vom Lehrstuhl für Südostasienstudien der Uni Passau. Aung San Suu Kyi muss nun Kompromisse mit dem Militär finden.

Frau Fox, der Konflikt in Myanmar spitzt sich seit Wochen zu, Aung San Suu Kyi hat sich aber erst vor wenigen Tagen vor Vertretern der UN dazu geäußert.

Mandy Fox: Die Rede ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Sie hat Diplomaten und Journalisten eingeladen, die Konfliktregionen im Land zu besuchen, und sich offen für Lösungsvorschläge gezeigt. Das war ebenso wichtig wie der Hinweis, dass Myanmar eine junge und fragile Demokratie ist.

Warum war das so wichtig?

Das Land hat über 60 Jahre Bürgerkrieg hinter sich, aktuell gibt es mehr als eine halbe Million Binnenvertriebene und Hunderttausende, die in Nachbarländer fliehen. Der Drogenhandel floriert, die Wirtschaft muss reformiert, die Korruption bekämpft, das Bildungssystem umgebaut werden. Es gibt viele Baustellen.

Wie kann es sein, dass der Konflikt in Rakhine ausgerechnet dann eskaliert, wenn eine Friedensnobelpreisträgerin an der Regierung beteiligt ist?

Mit dem Regierungsantritt erbte Suu Kyi auch die Probleme. Außerdem hat sich die Wahrnehmung verschoben. Vor der Demokratisierung des Landes waren die Menschen in ihrer Ablehnung des Militärregimes vereint. Dieses Thema fällt nun weg und alte Konfliktlinien brechen wieder auf. Das ist, als ob man einen Deckel von einem Topf mit kochendem Wasser nimmt. Aus den vielen Ethnien muss eine nationale Identität geformt werden. Das ist bisher nicht gelungen und bringt das Problem mit sich, dass eine nationale Identität auch Gruppen ausschließt. Die Rohingya fallen aus dem Konzept raus.

Welche Rolle spielt das Militär?

Das Militär befördert diesen Ausschluss. Es sitzt mit 25 Prozent im Parlament und besetzt drei Ministerien, beides ist nicht verhandelbar. Es spielt also eine entscheidende Rolle im Friedensprozess, lädt aber nur bestimmte Gruppen ein, sich daran zu beteiligen. Andere Gruppen werden ausgeschlossen, was letztlich zu einer Spaltung des Landes führt.

Wie kann Aung San Suu Kyi jetzt tun?

Sie muss gemeinsame Lösungen mit dem Militär und den mehr als 20 ethnischen bewaffneten Gruppen finden. Es ist sicher kein Vorteil, dass bis heute nicht erkennbar ist, welche Konzepte ihre Nationale Liga für Demokratie verfolgt. Die Partei hat alles daran gesetzt, die Wahlen zu gewinnen, doch konkrete Vorschläge dazu, wie man den Friedensprozess gestalten möchte, standen nicht im Wahlprogramm. Eine Kommission, geführt durch den ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan präsentierte im August 2017 Handlungsempfehlungen für Frieden, Versöhnung und Entwicklung im Rakhine Staat. Die Kommission wurde von Aung San Suu Kyi ins Leben gerufen und sie täte gut daran, den Empfehlungen zu folgen.

Wie viel Einfluss hat Suu Kyi tatsächlich?

Wie stark ihre Position gegenüber dem Militär ist, lässt sich nur schwer beurteilen. Für ihre dominante innerparteiliche Position hat sie allerdings sehr viel Kritik einstecken müssen. Sie ist Staatsrätin, Außenministerin und Ministerin des Präsidialbüros. Da liegt sehr viel Macht in den Händen einer Person. Es gibt eine junge Politikergeneration, die nicht mehr nur Erfüllungsgehilfe sein möchte. Die trägt ihre Anliegen jetzt zu  Aung San Suu Kyi und sie entscheidet darüber. Da muss man schon fragen, wie demokratisch das ist.

Hat ihr der aktuelle Konflikt geschadet?

Er hat ihrem internationalen Ansehen geschadet. Die Bevölkerung steht zu großen Teilen noch hinter Aung San Suu Kyi.

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