Hintergrund Mülltrennung: Fragen und Antworten

Berlin / Igor Steinle 09.06.2018

Papier oder Plastik? Mehrweg oder Einweg? Kaffeekapsel oder Siebträger? Antworten auf einige Fragen:

Papiertüten sind umweltfreundlicher als Plastiktüten. Um den Ruf der Plastiktüte ist es nicht besonders gut bestellt. Tiere verheddern sich darin, Meerestiere verenden mit den Kunststoffbeuteln im Magen. Oft greifen Kunden am Supermarkt deswegen lieber zur vermeintlich umweltschonenden Alternative aus Papier. Diese muss allerdings, um reißfest zu werden, mit so vielen Chemikalien behandelt werden, dass ihre Umweltverträglichkeit dahin ist. Vier Mal muss man die Papiertüte deswegen verwenden, bis ihre Ökobilanz besser ist als die der Plastiktüte.

Umweltteufel Coffee-to-go-Becher. Auch hier haben Konsumenten gerne ein schlechtes Gewissen: Nicht nur kommt ihr Kaffee oft von ausgebeuteten Bauern in Entwicklungsländern. Mit den Einwegbechern, aus denen sie das Heißgetränk unterwegs zu sich nehmen, tragen sie zu einem kolossalen Müllberg bei: 320 000 Einwegbecher werden laut Deutscher Umwelthilfe in Deutschland weggeworfen. Pro Stunde, wohlgemerkt. Doch die Mehrweg-Alternative aus Edelstahl ist erst ab einer gewissen Nutzungsdauer umweltfreundlicher:  Weil Edelstahl viel Energie in der Herstellung benötigt, muss man den Becher 40 Mal verwenden, damit seine Ökobilanz besser ist.

Noch schlimmer: Kaffeekapseln. Wer sich bis vor kurzem noch outete, eine Kapselmaschine zu besitzen, galt als so etwas wie eine Verbraucher gewordene Mischung aus Raubtierkapitalist und Erdöl-Lobbyist. Dabei gibt es gar keinen Grund zur Scham, hat die Uni Zürich herausgefunden. Denn: Sind die Kapseln aus Aluminium, lassen sie sich relativ leicht recyceln. Sie gehören deswegen unbedingt in den Gelben Sack. Gleichzeitig verbrauchen die Maschinen relativ wenig Strom – viel weniger, als eine Siebträgermaschine. Ein gutes Gewissen darf man als Kapselkonsument deswegen zwar noch immer nicht haben – aber auch kein schlechteres als andere Kaffeetrinker.

Mülltrennung bringt nichts. Falsch, sagen die Umweltschützer von Greenpeace.  Zwar sei die Abfallmenge in den vergangenen Jahren pro Person konstant geblieben. Im Durchschnitt produziert jeder Deutsche etwa 450 Kilogramm Müll jährlich. Gleichzeitig ist aber die Wirtschaft seit 1992 um 15 Prozent gewachsen. Das bedeutet: Müllaufkommen und Wirtschaftswachstum sind nicht mehr gekoppelt. Und das sei ein großer Erfolg. Gleichzeitig gelangen immer mehr Wertstoffe in die Weiterverarbeitung. Während vor Einführung des Grünen Punktes 1990 lediglich 13 Prozent der Wertstoffe eingesammelt wurden, waren es 2004 bereits 56 Prozent.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel