München Mollath-Tweet: Ein Risiko namens Ursula Gresser

Ursula Gresser: Ein Risiko für eine Veranstaltung von Beate Merk? Foto: Sabine Reidinger
Ursula Gresser: Ein Risiko für eine Veranstaltung von Beate Merk? Foto: Sabine Reidinger
München / WILLI BÖHMER 12.06.2013
Ursula Gresser zweifelt am Rechtsstaat. Der Fall Mollath treibt sie schon lange um. Dass sie jetzt Besuch der Polizei erhielt, wirft viele Fragen auf.

Ursula Gresser saß am Montagmittag mit einem Doktoranden am Tisch und besprach dessen Arbeit, als sie "zwei ältere Herren in Zivil" entdeckte, die ihr Haus verdächtig genau ins Visier nahmen. Die beiden Herren stellten sich wenig später als Polizeibeamte der Dienststelle Ottobrunn vor. "Ich habe sofort an einen Unfall oder etwas ähnliches gedacht", sagt die Ärztin und Professorin.

Dann wurde ihr mitgeteilt, dass sie als Sicherheitsrisiko gilt, als Risiko für eine Veranstaltung, bei der die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) am Abend auftrat. Sie habe im Netzwerk Twitter eine Nachricht geschrieben und den Fall des in der Psychiatrie einsitzenden Gustl Mollath erwähnt. So richtig wollten die beiden Besucher aber nicht mit der Sprache heraus, was sie denn eigentlich von ihr erwarteten. "Soll ich den Beitrag löschen? Wollen Sie, dass ich nicht zur Abendveranstaltung mit Merk gehe?" Sie habe keine klare Antwort erhalten.

Fest steht: Gresser setzt sich seit geraumer Zeit mit Twitter-Beiträgen für Gustl Mollath ein, der zu heftiger Kritik an Beate Merk geführt hat. Als gestern Abend aber bekannt wurde, dass die Polizeiaktion auf eine Anzeige des Anwalts ihres Ex-Mannes zurückgehen könnte, erinnerte sie sich an das Jahr 2010. Damals war sie ebenfalls auf Anzeigen aus dem Umfeld des Mannes für sechs Wochen nach Stadelheim ins Frauengefängnis gesteckt worden. Der Vorwurf lautete auf Missbrauch ihres Kindes. "Eine Falschbeschuldigung. Deshalb wurde ich wieder aus der Haft entlassen." Vielleicht ist die Polizei jetzt wieder auf ihre alten Akten gestoßen und hat deshalb vorsichtshalber bei ihr vorbei geschaut, vermutet Gresser. Sie setzte sich gestern Abend mit ihrer Anwältin zusammen, um die nächsten Schritte dagegen zu beraten. Langsam fühle sie sich wie ein Fall Mollath 2: Verfolgt wegen falscher Anschuldigungen.