Kommentar Martin Gehlen zum Krieg in Syrien Mörderisches Endspiel in Syrien

Martin Gehlen.
Martin Gehlen. © Foto: Katharina Eglau
Kairo / Martin Gehlen 07.07.2018

Spätestens diese Woche müsste dem Letzten klar sein, was Russland wirklich unter dem Begriff „Deeskalationszonen“ verstanden hat. Anders als in Astana verkündet, ging es nie darum, die Bewohner einzelner Regionen besser zu schützen, einen politischen Übergangsprozess zu organisieren und so die Kriegsflammen nach und nach auszutreten.

Stattdessen wurden im Nebel einer Friedensrhetorik die Rebellen-Gebiete lediglich sortiert – um sie dann nacheinander zu erledigen. Im Frühjahr kapitulierte Ost-Ghouta, jetzt ist die Enklave in Südsyrien dran. Im Herbst folgt dann wohl das letzte Kapitel, wenn sich die Angreifer die Nordprovinz Idlib mit ihren drei Millionen Menschen vorknöpfen.

Militärisch ist der syrische Bürgerkrieg dann entschieden, ohne dass das Regime irgendwelche Konzessionen an die Opposition machen musste. Bis auf die Kurdengebiete, die nie offen rebellierten, hat Baschar al-Assad die gesamte Restbevölkerung und jeden Zentimeter syrischen Bodens wieder unter Kontrolle.

Leidtragende dieser russischen Brachialtaktik aber sind wie immer die Menschen. Denn Assads Gewaltherrschaft bleibt weitgehend unangetastet. An Befriedung, Aussöhnung und Stabilität ist auf Jahrzehnte nicht zu denken. Die Hälfte des syrischen Volkes ist auf der Flucht. Fast jede Familie hat Tote und Verletzte zu beklagen. Zudem könnten Hunderttausende, die friedlich gegen das Regime opponierten, nicht zurück in ein solches Syrien, das Wladimir Putin derzeit herbeibombt. Darauf sollten sich in Zukunft alle einstellen – die Nachbarn Türkei, Jordanien, Libanon, genauso wie Europa, das sich momentan an der Flüchtlingsfrage nahezu zerreißt.

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