Prag Mit 007 durch Prag

HANS-JÖRG SCHMIDT 11.01.2016
Als ich vor knapp drei Jahren in meine neue Prager Wohnung zog, staunte ich in der Tiefgarage nicht schlecht. Ich kam mir dort vor wie auf einem Parteitag. Nur dort hatte ich bislang eine solche Häufung von Autos mit Wunschkennzeichen gesehen wie: 1A1 0001 oder 6A6 6666.

Solche Kennzeichen blieben über Jahre nur Leuten mit sehr viel Einfluss, sogenannten Mafia-Paten, vorbehalten, die dafür gern auch hohe Bestechungsgelder bei der Polizei zahlten. In meiner Tiefgarage standen gleich mehrere Autos mit solchen Kennzeichen, womit mir ohne große Recherche klar war, was einige meiner Nachbarn so beruflich treiben.

Seit Beginn des neuen Jahres hat jeder Tscheche Anspruch auf sein Wunschkennzeichen. Der Andrang an den Zulassungsstellen war von Beginn an gewaltig. Teilweise standen dort Leute die ganze Nacht über in immer größer werdenden Warteschlangen an. Dabei ist das "eigene" neue Kennzeichen ein ziemlich teurer Spaß. 5000 Kronen für vorn, 5000 Kronen für hinten - zusammen etwa 370 Euro - muss zahlen, wer sich mit JAMES007 als der wahre James Bond outen möchte oder künftig als FANT0MAS durch die Lande steuern will.

Besonderer Beliebtheit erfreuten sich in den ersten Stunden Verbindungen aus Vornamen und Geburtstag. Acht Ziffern beziehungsweise Buchstaben müssen es sein, darunter in jedem Fall eine Ziffer. Deshalb muss das O bei FANT0MAS durch eine Null ersetzt werden.

Etwa 900 Kennzeichen vulgärer oder rassistischer Art sind nicht erlaubt. Sonst sind der neuen Freiheit keine Grenzen gesetzt - es sei denn, die Wunschnummer ist vergeben.

Die Wunschkennzeichenaktion kommt nahezu einer Revolution in Tschechien gleich. Freilich wird es jetzt für einige sehr viel schwerer, auf Autobahnen oder Fernstraßen vorauseilend Vorsicht walten zu lassen. Bisher wusste jeder Prager Autofahrer ganz genau, dass Fahrer mit einem "S" oder "U" im Kennzeichen allesamt ihren "Führerschein im Lotto gewonnen" hätten. "S" steht für den Mittelböhmischen Kreis, "U" für den Kreis Usti nad Labem. Doch die Einschätzung lässt sich nach 25 Jahren Fahrpraxis im Nachbarland nicht unbedingt bestätigen.