Vier Jahre ringt die katholische Kirche in Deutschland schon mit dem Missbrauchsskandal. Seit Jesuitenpater Klaus Mertes im Januar 2010 Fälle am Berliner Canisius-Kolleg öffentlich machte, setzen sich Bischöfe und Experten, aber auch Kirchen- und Katholikentage mit dem Thema auseinander. So auch in Regensburg, wo derzeit zehntausende Katholiken über Kirche und Glauben nachdenken und streiten.

Nimmt man die Zahl der Zuhörer als Maßstab, scheint das Thema an Brisanz eingebüßt zu haben. Einige hundert Menschen lauschen im nicht ganz gefüllten Kolpingsaal den Ausführungen der bekanntesten Arbeiter auf diesem Feld. Neben Mertes sind das der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, und Matthias Katsch, Sprecher der Opfervereinigung "Eckiger Tisch". Auch die Sprecherin der Präventionsbeauftragten der Deutschen Diözesen, Mary Hallay-Witte, und die bayerische Präventionsexpertin Barbara Haslbeck debattieren mit. Die beiden stehen dafür, dass Vorbeugung in den Vordergrund gerückt ist.

"Kirche auf dem Weg zu einer Kultur der Achtsamkeit?" heißt das Thema im Kirchendeutsch. Übersetzt: "Wie verhindert die Kirche künftig Missbrauchsfälle?" Den Aufschlag macht der mit Beifall gefeierte Jesuit Mertes, der in fünf Punkten darlegt, was seiner Meinung nach geschehen muss, damit sexualisierte Gewalt in der Kirche aufgespürt und das Übel an der Wurzel gepackt werden kann. Dabei formuliert er Sätze wie: "Wie kann ich verhindern, dass ich selbst ein Weggucker werde?" Und er lenkt den Blick auf rechtsfreie Räume unter Jugendlichen, da es mittlerweile auch zwischen Minderjährigen zu sexueller Gewalt kommt. Diese Räume müsse die Kirche in ihren Einrichtungen "aufbrechen".

Opfer-Sprecher Katsch beklagt den zögerlichen Fortschritt bei Aufklärung und Prävention in der Kirche und dankt Papst Franziskus, dass dieser mit seiner Ankündigung eines Opfertreffens Schwung in die Debatte bringe. Von den Bischöfen erwarte er einen "strukturierten Dialog" mit den Opfern. Er fordert "Eckige Tische" in allen Bistümern, an denen Betroffene und Amtsträger miteinander reden. Die Präventionsbeauftragten sollten mit diesen Gruppen verknüpft sein. Den Vorschlag übergibt er in schriftlicher Form an Ackermann.

Scharf attackiert Katsch den Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller. Er finde es schwer erträglich, dass an der Spitze des obersten Kirchengerichts jemand sitze, der sich einst als Bischof mit der Verfolgung der Täter schwergetan habe. Ferner fordert Katsch eine Null-Toleranz-Linie nach US-Vorbild: "Wer Kinder oder Jugendliche sexuell missbraucht hat, darf nicht mehr Priester dieser Kirche sein!"

Bischof Ackermann nimmt seinen Amtsbruder Müller in Schutz und bescheinigt ihm eine konsequente Fortsetzung des unter Papst Benedikt XVI. eingeschlagenen Kurses. Insgesamt seien weltweit mehr als 2000 Priester wegen Missbrauchs in den Laienstand versetzt worden. Zugleich verteidigt Ackermann das differenzierte Vorgehen der deutschen Bischöfe und erklärt, auch die Täter hätten ein Recht auf faire Verfahren und Urteile. Er verteidigt diese Position gegen Unmutsbekundungen aus dem Publikum. Buhrufe erntet Ackermann, als er mutmaßt, die Kirche sei beim Missbrauchsphänomen vermutlich "normaler als manche denken".

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Menschenhandel Wegen der nahen Grenze zu Osteuropa greifen mehrere Veranstaltungen das Thema Menschenhandel auf. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick fordert die Bestrafung von Freiern und ein Verbot der Prostitution in Deutschland. Vor allem bei Männern müsse der "ethische Grundwasserspiegel" wieder gehoben werden, sagt Schick, der für Männerseelsorge zuständig ist.

Schwangerschaft Der Osnabrücker Sozialethiker Manfred Spieker bezeichnet das Ausstellen von Beratungsscheinen für eine mögliche Abtreibung als "Passierscheine ins Elend". Demgegenüber verteidigt die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) die Arbeit der Schwangerenberatung von "Donum Vitae". Der Verein wird von den Bischöfen nicht anerkannt.

Umwelt Christen müssen beim Umweltschutz aus Sicht des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke Vorbilder sein. Schließlich sei der Lebensstil der Bescheidenheit und des Maßhaltens etwas Urchristliches: "Wir Christen haben schon lange den Veggie-Day." kna/epd

SWP