Kommentar Tanja Wolter zu den Folgen des Missbrauchskandals Missbrauch: Debatte über Zölibat notwendig

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Ulm / Tanja Wolter 13.09.2018

Wer sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche immer noch als Ausnahmeerscheinung einiger fehlgeleiteter Kleriker abtut, dem müssen spätestens jetzt die Augen aufgehen: 3677 Opfer, 1670 Beschuldigte – diese Zahlen aus der Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz offenbaren ein dramatisches Ausmaß der Verbrechen. Dabei steht fest: Nur ein Teil der Fälle ist überhaupt dokumentiert. Viele Taten bleiben für immer im Dunkeln, weil sich die Opfer nie offenbart haben. Auch ist unklar, ob den Forschern alle dokumentierten Fälle gemeldet wurden.

Doch so wichtig die Aufarbeitung und die Entschädigung der Opfer ist:  Das heißt nicht, dass solche Taten heute nicht mehr geschehen. Die Bischöfe haben zwar mit Leitlinien und Präventionskatalogen auf den Skandal reagiert. Aber der Kern wird nicht angetastet – dass unterdrückte Sexualität ein Risiko birgt, die eigene Macht auszunutzen und übergriffig zu werden. Wehrlose Kinder sind dann ein leichtes Opfer. Das ist kein Automatismus, aber eine gewisse Verbindung lässt sich nicht leugnen. Wer also Missbrauch bekämpfen will, kommt auch um den Pflichtzölibat nicht herum.

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