Brüssel Michel Barnier wird Junckers „Mr. Brexit“

Michel Barnier fühlt sich „sehr geehrt“, mit der neuen Aufgabe betraut worden zu sein.
Michel Barnier fühlt sich „sehr geehrt“, mit der neuen Aufgabe betraut worden zu sein. © Foto: afp
MARTIN TRAUTH, AFP 28.07.2016
Michel Barnier wird künftig in den Austrittsverhandlungen mit Großbritannien die Seite der EU vertreten. Er gilt als erfahren und gut vernetzt.

Er ist der „Mr. Brexit“ in Brüssel: EU-Kommissionspräsident Jean- Claude Juncker hat am Mittwoch seinen ehemaligen Widersacher, den ehemaligen französischen Außen- und Agrarminister Michel Barnier, zum Verhandlungsführer für die Austrittsgespräche mit Großbritannien ernannt. Barnier war rund ein Jahrzehnt lang auch EU-Kommissar und bewarb sich 2014 um das Amt des Spitzenkandidaten der konservativen europäischen Volkspartei EVP.

Er verlor das Rennen gegen den Luxemburger Juncker, der  den 65-jährigen Barnier nun mit der „Vorbereitung und Führung“ der Austrittsgespräche betraut. Er werde direkt an den Kommissionspräsidenten berichten und „die besten Kommissionsexperten zu seiner Verfügung haben“, teilte die Kommission am Mittwoch mit. Der Franzose scheint dafür bestens geeignet; zuletzt war er bis 2014 für den Binnenmarkt und Finanzdienstleistungen zuständig – beides Bereiche, die in den künftigen Beziehungen zu London eine zentrale Rolle spielen.

Der konservative französische Politiker schrieb, er fühle sich „sehr geehrt“, mit der „anspruchsvollen Mission“ betraut worden zu sein. Er sei „ein begabter Verhandler mit reicher Erfahrung in wichtigen Politikfeldern“ und verfüge über ein weitgefasstes „Netzwerk von Kontakten in den Hauptstädten aller EU-Mitgliedstaaten und im Europaparlament“, erklärte Juncker. Er zeigte sich sicher, dass Barnier „uns helfen wird, eine neue Partnerschaft mit dem Vereinigten Königreich zu entwickeln“.

Tatsächlich kann Barnier auf eine lange diplomatische Karriere zurückblicken: Zwischen 1999 und 2004 war Barnier bereits als Kommissar für Regionalpolitik in Brüssel gewesen. In seiner Heimat Frankreich war er davor Umwelt- und später Europastaatssekretär. Es folgten zwei Jahre als Außen- und drei Jahre als Agrarminister.