MH17 MH17: Russische Fahnder gegen internationale Ermittler

Trauer nach dem Abschuss: Mit Blumen auf den Trümmerteilen von MH17 gedenken Menschen der 298 Opfer.
Trauer nach dem Abschuss: Mit Blumen auf den Trümmerteilen von MH17 gedenken Menschen der 298 Opfer. © Foto: afp
Moskau / Stefan Scholl 18.07.2017

Gestern hat sich der Abschuss der malaysischen Boeing MH17 über dem Kriegsgebiet im Donbass zum dritten Mal gejährt, doch die Frage der Schuld ist noch immer nicht geklärt. Quälend für die Angehörigen der 298 Todesopfer. Dabei gilt inzwischen als sicher, dass die Passagiermaschine in zehn Kilometern Höhe von einer Rakete eines Buk M1-Flugabwehrsystems getroffen wurde. Die niederländischen Behörden, die die Ermittlungen leiten, wollen die Schuldigen vor Gericht ziehen. Der malaysische Transportminister Liow Tiong Lai sagte, eine namentliche Liste der Schuldigen könne bis Anfang 2018 veröffentlicht werden. Und es zeichnet sich ab, dass die meisten Angeklagten Russen sein werden.

Nach den Ergebnissen des internationalen Ermittlungsteams wurde das Buk-System vor dem Abschuss aus Russland in das Kampfgebiet gebracht. Die tödliche Rakete startete von einem Feld unweit des von den Rebellen kontrollierten Dorfes Perwomaiskoje. Nach Angaben des britischen Recherche-Teams Bellingcat feuerte sie eine Bedienungsmannschaft der 53. russischen Flugabwehrbrigade ab.

Auch die ersten Namen der Befehlshaber des Buk-Einsatzes sind bekannt: So soll der bei Rostow am Don lebende russische Aufklärungsoberst a. D. Sergei Dubinski den Transport des Flak-Systems in die Ukraine organisiert haben. Der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko bekräftigte vor diesem Hintergrund, Russland müsse zur Rechenschaft gezogen werden. Das „schamlose Verbrechen hätte verhindert werden können, wenn es keine russische Aggression, keine russische Ausrüstung und keine russische Rakete, die von russischem Gebiet kam, gegeben hätte“, schrieb Poroschenko gestern auf seiner Facebook-Seite.

Andersherum: Je mehr sich die Indizien russischer Verantwortung verdichten, desto heftiger mauert Moskau. Präsident Wladimir Putin beteuert seine Unschuld. Sicher besäßen die US-Dienste Informationen über den Abschuss der MH17-Boeing, erklärte er dem US-Regisseur Oliver Stone. „Washington will die Schuld auf die Aufständischen schieben und indirekt auf Russland, das sie unterstützt.“

 Russische Experten wappnen sich derweil für den drohenden Prozess. „Das wird eine Publicity-Veranstaltung. Obama hat sofort nach dem Abschuss gesagt, das seien die Aufständischen gewesen“, sagt Militärexperte Viktor Litowkin. „Seitdem arbeiten alle westlichen Behörden und Ermittler in diese Richtung.“ Die Russen klagen, die niederländischen Ermittler lieferten nur Indizien, Bilder aus dem Internet, die man auch per Photoshop montieren könne.

Proteste vor der Botschaft in Den Haag

Demonstration Angehörige der Passagiere der abgeschossenen Maschine MH17 haben vor der russischen Botschaft in Den Haag demonstriert. Sie protestierten am Sonntag gegen Versuche Russlands, die strafrechtliche Untersuchung zu blockieren. Die etwa 15 Demonstranten hatten auf einem Grasfeld vor der Botschaft eine Bank gestellt mit der Aufschrift: „Warten auf Verantwortlichkeit und völlige Aufklärung.“ In einem Brief riefen sie Russland auf, konstruktiv mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. dpa