Kommentar Sandra Weiss zum Machtwechsel in Mexiko Mexiko am Scheideweg

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Mexiko-Stadt / Sandra Weiss 03.07.2018

Mexiko rückt nach links mit Andrés Manuel López Obrador. So steht es heute überall, denn so haben Freund und Feind ihn wegen seiner antiliberalen, staatskapitalistischen Thesen etikettiert. Aber rückt Mexiko wirklich nach links? Am Sonntag gewann mit Amlo, wie er im Volksmund genannt wird, vor allem die Nostalgie und der Wunsch nach einem starken Mann, der alles regelt. Der Rächer der Entrechteten, der die Ängste und Hoffnungen derjenigen bündelt, die bei der Modernisierung und Globalisierung auf der Strecke blieben oder zu bleiben drohen.

Das ist verständlich, denn zu viele wurden in Mexiko abgehängt, weil es die Politik nicht geschafft hat, die Früchte des Reichtums besser zu verteilen und die Rahmenbedingungen zu schaffen für eine wettbewerbsfähige, prosperierende Gesellschaft. Aber es ist auch gefährlich, denn es schürt hohe Erwartungen. Amlo erbt ein Land, in dem es an allen Ecken und Enden brennt: ausufernde Korruption, fehlender Rechtsstaat, Gewaltkriminalität und himmelschreiende Ungleichheit.

Wird Amlo diese Probleme lösen können? Er hat im Grunde zwei Möglichkeiten: Er kann wie Hugo Chávez in Venezuela das Land polarisieren, Arm gegen Reich aufhetzen und die Konfrontation mit US-Präsident Donald Trump suchen. Oder er kann versuchen, die historische Interessenskonvergenz von Unternehmern und einer erstarkten Zivilgesellschaft zu bündeln, um für mehr Rechtsstaat, Transparenz und Aufstiegschancen zu sorgen. Das ist der schwierigere Weg, dafür bräuchte er eine Vision, Verhandlungsgeschick und Kompromissbereitschaft. Dann kann Amlo doch noch zum Modernisierer werden.

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