Hurghada Messer-Attacke: Rästelraten um die Täter

Hurghada / MARTIN GEHLEN 11.01.2016
Steckt der IS hinter dem Attentat auf Touristen in Hurghada? Für Ägyptens Tourismusindustrie ist die Messerattacke ein weiterer herber Rückschlag.

War es ein geplanter Terroranschlag - oder die Tat von zwei wirren Einzelgängern? Bisher hat sich keine Terrororganisation zu der Bluttat von Hurghada bekannt. Und so versuchte Ägyptens Tourismusminister Hisham Zaazou am Wochenende zu beruhigen. Die Attentäter, die am Freitagabend mit Messern und Schreckschusspistole bewaffnet in das Bella Vista Hotel von Hurghada stürmten und auf Gäste einstachen, seien Amateure gewesen, sagte er bei einem Blitzbesuch am Roten Meer. Hinter ihnen stecke keine Terrororganisation.

Drei Touristen, ein älteres österreichisches Ehepaar und ein 27-jähriger Schwede, wurden durch Stichwunden verletzt. Sie sind inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen. Die Polizei erschoss einen der Attentäter, einen 21-jährigen Studenten aus Kairo, der andere wurde schwer verletzt. Der Überfall habe nur vier Minuten gedauert, erklärte das Hotel-Management auf seiner Facebook-Seite. An dieser offiziellen Version jedoch gibt es Zweifel.

Ein norwegischer Gast des Vier-Sterne-Hotels will vom Balkon aus beobachtet haben, dass die Täter auf der Straße eine IS-Flagge schwenkten. Ein Angestellter erklärte, einer der Angreifer habe "es gibt keinen Gott außer Allah" gerufen und gedroht: "Wir werden diesen Ort in die Luft jagen." Der getötete Student habe einen Selbstmordgürtel getragen, erklärte ein pensionierter Armeeoffizier, in der Nähe des Hotels wohnt und sofort zum Attentatsort geeilt war.

Mit der Messerattacke erlebte nun auch das dem Sinai gegenüberliegende Feriengebiet des Roten Meeres die erste Gewalttat gegen Touristen. Dieser Teil der ägyptischen Küste mit seinen beliebten Stränden und malerischen Tauchriffen galt bisher als sicher und der letzte noch funktionierende Sektor der ägyptischen Ferienindustrie. Vor kurzem sind die Sicherheitsvorkehrungen für die Badegebiete entlang der Küste verstärkt worden. Soldaten und Hubschrauber patrouillieren an den Stränden, Polizisten achten darauf, dass sich niemand von See her nähert.

Für Ägyptens notleidende Tourismus-Industrie sind Vorfälle dieser Art weitere empfindliche Rückschläge, auch wenn die europäischen Reiseländer bisher noch nicht entschieden haben, ob sie ihre Reisewarnungen verschärfen. Das Auswärtige Amt jedoch mahnt zur Vorsicht: "Reisenden wird geraten, sich in Hurghada selbst umsichtig zu verhalten, auf Ausflüge vorläufig zu verzichten und sich über diese Reise- und Sicherheitshinweise sowie die Medien informiert zu halten."

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel