Parlament Merkel übersteht erste Befragung gelassen

Berlin / Ellen Hasenkamp 07.06.2018

Es gibt vermutlich nicht mehr viele Sachen, die Merkel nach bald 13 Jahren Kanzlerschaft das erste Mal macht. Reden hat sie vermutlich zu Tausenden gehalten, Dutzende EU-Gipfel durchwacht und zumindest eine Handvoll politische Konkurrenten aus dem Weg geräumt. Aber das hier ist nun wirklich neu. Ja, es ist sogar ein klein bisschen historisch.

Ungewohnt auch der Standpunkt der Ewig-Kanzlerin. Normalerweise sitzt Merkel auf ihrem lila-blauen Sessel ganz vorne rechts auf der Regierungsbank. Oder sie steht am Rednerpult. Diesmal aber muss sie an ihrem Kanzlerinnenplatz bleiben und dort eigenhändig das Mikrofon hochklappen. Dabei reißt sie erstmal das Schaumstoffhütchen runter. Alles eben anders.

Helge Brauns Bewunderung tut das keinen Abbruch. Der Kanzleramtsminister, einziger Ressortchef zwischen Staatssekretären auf den Regierungssesseln, begleitet die Antworten seiner Chefin mit leuchtenden Augen. Vielleicht aber hypnotisiert ihn auch nur das Orangerot ihres Jacketts. Die passende Hose dazu trägt Merkels Lieblings-Grüne: Katrin Göring-Eckardt.

Freundliche Vorlagen

Dann ist es auch schon fast vorbei. Es ist 13.33 Uhr, Angela Merkel legt die Stirn in Falten und zieht die Schultern hoch. Na gut, noch eine Frage. Das stört sie jetzt auch nicht weiter. Nach einer guten Stunde Befragung im Plenum des Bundestags scheint Merkel sogar zunehmend Gefallen an der Sache zu finden. „So schade, wie es ist, es ist halt zu Ende“, sagt sie zum Schluss. Es klingt nur halb ironisch.

Das angekündigte Fegefeuer hatte offenbar die richtige Temperatur für die Kanzlerin. Dabei hatte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider gedroht: „Wir werden keine lauwarmen Sachen machen.“ Hitzig aber wurde es partout nicht.

Das lag auch am Format: Eine Minute Frage, eine Minute Antwort, Nachhaken nicht vorgesehen, Applaus geht von der Redezeit ab. Es lag aber auch an den Fragen. In Wahrheit stand ja bei dieser Premiere der Kanzlerinnenstunde im Parlament weniger Angela Merkel auf dem Prüfstand als vielmehr die Originalität der Fragenden. Würde es jemandem gelingen, die routinierte Regierungschefin in die Ecke zu treiben oder zumindest ein bisschen zu überrumpeln? Die – wenig überraschende – Antwort lautet: nein. Die meisten Fragesteller, auch die aus der Weltuntergangsfraktion, beschränkten sich auf freundliche Vorlagen: Wie die Kanzlerin die Rolle Japans einschätze? Ob sie „Handlungsbedarf“ bei der Digitalisierung der Arbeitswelt sehe? Was sie von einer Plastiksteuer halte?

Einzig die AfD gab sich in Sachen Provokation wie immer größte Mühe. Ihr vierter parlamentarischer Geschäftsführer Hansjörg Müller darf die erste Frage stellen, und er will wissen, ob die Kanzlerin auf dem bevorstehenden G7-Gipfel den „destruktiven US-hörigen deutschen Sonderweg“ weitergehen werde oder lieber eine neue Russland-Politik einläuten wolle. „Danke“, setzt er sicherheitshalber  hinzu.

Merkel schaut nachsichtig. „Herr Kollege“, beginnt sie. „Es wird Ihnen nicht entgangen sein…“, fährt sie fort und berichtet dann von ihrem Treffen mit dem russischen Präsidenten und dem Wert von Dialog im Allgemeinen. Nach 55 Sekunden ist sie fertig.

Feuchte Handflächen wird Merkel also auch bei der nächsten Befragung nicht haben. Ganz im Gegensatz zu Tony Blair, sonst nicht gerade als nervöser Typ bekannt. Der gestand bei seiner letzten Fragestunde im britischen Unterhaus – von dem sich die deutschen Abgeordneten das Format abgeschaut hatten: „Vom Anfang bis zum Ende habe ich nie aufgehört, es zu fürchten.“

Info british parliament

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