Russland Merkel trifft Putin in Meseberg

Der Beginn einer neuen Freundschaft? Wladimir Putin und Angela Merkel im Sommer 2017.
Der Beginn einer neuen Freundschaft? Wladimir Putin und Angela Merkel im Sommer 2017. © Foto: Bernd Von Jutrczenka/dpa-pool/dpa
Moskau / Stefan Scholl 17.08.2018

Kremlsprecher Dmitri Peskow kündigte dieser Tage einen „Uhrenvergleich“ zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Wladimir Putin an, was die Dauerkonflikte in der Ukraine und in Syrien angeht. Am Samstagabend empfängt die Bundeskanzlerin im brandenburgischen Meseberg den Präsidenten. Etwas überraschend, es ist schon der zweite deutsch-russische Gipfel in vier Monaten. Seit Jahren ist man gewohnt, dass Treffen zwischen Merkel und Putin mit eher schlecht gelaunten, konträren, aber vorhersehbaren Statements enden. Diesmal aber wird auch in Moskau gerätselt.

Früher beklagten sich russische Politiker, Deutschland und die EU seien nur eine gehorsame Filiale des antirussischen Amerika. Aber dann begann US-Präsident Donald Trump seinen Handelskrieg gegen den Rest der Welt und verspottete die Deutschen als „Gefangene Russlands“, weil sie dort für Milliarden Gas kauften. Seine Regierung drohte auch deutschen Unternehmen mit Sanktionen wegen der Ostseepipeline Nord Stream 2, die Deutsche und Russen gemeinsam bauen wollen. Das unfreundliche aber stabile Ost-West-Gegenüber hat sich plötzlich in ein unstetes Dreiecksverhältnis zwischen Europa, Russland und den USA verwandelt.

Moskau – Ankara – Berlin

Einerseits gilt Merkel in Moskau seit Jahren als hartnäckige Gegnerin. „Sie verhindert gegen den Willen der deutschen Gesellschaft eine Wiederannäherung an Russland“, sagt der kremlnahe Politologe Sergei Markow der SÜDWEST PRESSE. Andererseits gebe es immer mehr Projekte, die Deutschland und Russland gemeinsam gegen die USA verteidigen müssten, von Nord Stream 2 bis zum Atomvertrag mit dem Iran, den Trump gekündigt hat.Tatsächlich müssen sich Merkel und Putin jetzt in einem Chaos aus US-Strafzöllen, Ukraine-Sanktionen, ideologischen Widersprüchen und neuen Gemeininteressen zurechtzufinden. „Das wird eine verrückte Teeparty“, sagt Markow, „wie bei Alice im Wunderland“.

Laut Markow decken sich die Interessen inzwischen auch in Syrien: „Je mehr Deutschland unseren Verbündeten Assad unterstützt, umso weniger Probleme hat es mit syrischen Kriegsflüchtlingen.“ Am 7. September ist in Istanbul ein Vierer-Gipfel Merkels mit den Präsidenten Frankreichs, Russlands und der Türkei zu Syrien geplant, aber auch dort könnte über mehr gesprochen werden. Schon verweist die Zeitung Kommersant auf eine künftige Achse Moskau-Ankara-Berlin, zusammengeschweißt von Trumps Strafpolitik.

Aber keineswegs alle Moskauer Experten glauben an neue Allianzen. „Deutschland bleibt ein Hauptverbündeter der USA“, sagt der Politologe Alexei Muchin. Allerdings litten beide Länder unter Trumps Wirtschaftskrieg: „Politisch sind wir Gegner, wirtschaftlich aber natürliche Verbündete.“

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