Kolumne Mein Trump-Land: Der Glaube an das Unmögliche

Britta Sembach ist freie Journalistin und lebt in Brooklyn, New York.
Britta Sembach ist freie Journalistin und lebt in Brooklyn, New York. © Foto: Gudrun Senger
Brooklyn / Britta Sembach 05.09.2017

In den letzten Tagen hatte ich öfter diesen Beatles Song im Kopf, „Roll up, Roll up, for the Magical Mystery Tour“. Vielleicht weil mir hier alles immer unwirklicher vorkommt, wie im Märchen, mit vielen dunklen Gestalten allerdings, leider. Denn wundersam ist diese, nennen wir sie ruhig einmal Reise, mit diesem, nennen wir ihn ruhig einmal Präsidenten, schon. Wundersam im Sinne von verwunderlich. Magisch ist sie weniger. Obwohl hier viele Leute mit Magie und allerhand anderem Schnick-Schnack ziemlich viel anfangen können.

Man würde ja meinen, das hier sei ein Land wie jedes andere auch, aber je länger man hier lebt, desto mehr kommen Zweifel. Wir reden von einem Land, in dem öffentliche Schwimmbäder einem Gefängnishof mehr ähneln als einer Freizeitanlage, in dem Rauchen als schlimmeres Übel betrachtet wird als öffentlich Symbole aus einer finsteren Vergangenheit zu zeigen. Irgendwann wundert einen dann nicht mehr, was für Menschen hier Präsident werden und aus welchen Gründen. Einer davon ist: Ein tiefer Glaube an das Magische, das Unerklärliche.

Im politischen Magazin „The Atlantic“ erklärte ein kluger Mann unlängst diesen für viele von uns nur schwer verständlichen Glauben der Amerikaner, dass alles möglich ist. Dazu gehöre, Fakten für sich zu reklamieren, einfach weil man es kann. Eine sehr weit aufgefasste Form des Rechts auf freie Meinungsäußerung also. Oder anders gesagt: Was scheren mich Fakten, wenn es eine starke Meinung auch tut?

Kurt Anderson, der erwähnte Autor, hat ein Buch darüber geschrieben mit Titel: „Fantasyland: How America went Haywire“, locker übersetzt heißt das soviel wie: „Phantasialand – Wie Amerika völlig durchdrehte“. Er kommt zu dem Schluss, dass nur noch eine Minderheit hierzulande in der Realität verhaftet ist.

Der größere Teil der Bevölkerung glaubt alles Mögliche, davon zum Beispiel ein Viertel, dass Ex-Präsident Obama der Anti-Christ ist. Zwei Drittel halten Engel und Dämonen für real. Ein Drittel ist überzeugt, dass der Klimawandel ein Schwindel sei. Da wundert es fast nicht mehr, warum es so vielen so leichtfällt, das Unglaubliche und dem Unglaublichen zu glauben.