Es muss den Franzosen eine diebische Freude bereiten, ihre Meinungsforscher vorzuführen. Eine Enthaltungsquote nahe der 60 Prozent und einen Front National (FN), der als stärkste Partei die 30 Prozent-Marke knackt - so lauteten die Prognosen für die erste Runde der Departementswahl. Doch am Sonntag gab jeder zweite Wahlberechtigte seine Stimme ab und am Ende war es die bürgerliche UMP-Partei, die auf 30 Prozent kam und den Rechtspopulisten klar das Nachsehen gab.

Diese Ergebnisse als unerwartet zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung. Schließlich ist es ein mehrfach totgesagter politischer Wiedergänger, der FN-Chefin Marine Le Pen die Luft aus den Reifen ließ. Keine vier Monate ist es her, dass Ex-Präsident Nicolas Sarkozy seinen Frühruhestand beendete und den Vorsitz der heillos zerstrittenen UMP übernahm. Trotzdem bestand er nun nicht nur den ersten wirklichen Popularitätstest seit seinem Comeback. Es gelang ihm auch, Le Pen ihre bei der Europawahl 2014 eroberte Rolle der Oppositionsführerin zu entreißen.

Kein Wunder, dass Sarkozy das gute Abschneiden seiner Partei als persönlichen Erfolg verbucht und von einer Wende spricht, "die nicht mehr aufzuhalten ist". Wohl gut die Hälfte aller von den Sozialisten regierten Departments wird an das rechte Lager fallen. Das ist eine Umkehrung der Machtverhältnisse, da die Linke bislang in 61 der 101 Departments den Ton angibt.

Der Front National hat nur wenig Chancen, in mehr als zwei Departements die Mehrheit zu übernehmen. Mit knapp 26 Prozent der Stimmen installiert er sich auf bedenklich hohem Niveau. Tatsächlich war Le Pen am Sonntagabend keinerlei Enttäuschung anzumerken. Immerhin konnte der FN im Vergleich zur letzten Wahl 2011 satte zehn Prozentpunkte zulegen, was die blonde Juristin als Beleg "für unsere lokale Verwurzelung" feierte. Dass das Resultat auch ein Beleg dafür ist, wie solide sich die Frontisten mittlerweile in der politischen Landschaft etabliert haben, brauchte Le Pen gar nicht zu erwähnen. Es ist längst unübersehbar.