Kommentar Michael Gabel zum Grünen-Vorstoß für kostenfreie Verhütungsmittel Mehr Hartz IV anstatt Gratis-Verhütungsmittel

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Berlin / Michael Gabel 09.06.2018

Der Vorschlag ist sicherlich gut gemeint: Die Grünen im Bundestag fordern, dass Anti-Baby-Pille und Kondome für Geringverdiener kostenlos sein sollen. Die Argumentation erfolgt nach der Logik, dass viele Menschen einfach zu arm sind, um sich Verhütungsmittel leisten zu können, und die Frauen deshalb ungewollt schwanger werden.

Was Fraktionsexpertin Klein-Schmeink offensichtlich nicht bedacht hat: Ihr Vorstoß wirkt, als ginge es ihr darum, die Ärmeren in der Gesellschaft vom Kinderkriegen abzuhalten. Dieses Missverständnis produzieren ausgerechnet die Grünen, die sonst immer schnell bei der Hand sind, andere moralisch zu verurteilen, wenn etwas gut gemeint und schlecht gesagt ist. Ein Eigentor.

Warum hat die Grünen-Abgeordnete nicht gefordert, dass der Regelsatz für Hartz-IV-Empfänger erhöht wird? Das wäre nachvollziehbar gewesen, denn die Berechnungen, die dem Arbeitslosengeld II zugrunde liegen, berücksichtigen viele Bedürfnisse der Menschen in der Tat nur sehr unzureichend. Doch würde das zusätzliche Geld bei all denjenigen nichts nützen – und es sind nicht wenige –, die glauben, beim ungeschützten Geschlechtsverkehr werde schon nichts geschehen, solange man nur „aufpasst“.

Deshalb: Mehr Aufklärung ist nötig – vor allem in Schulen, aber auch mit Informationsangeboten für Erwachsene, die sich bei dem Thema unsicher fühlen. Das Ziel muss sein, alle in die Lage zu versetzen, Familienplanung zu betreiben und die Sache nicht dem Zufall überlassen.

Wird es dann weniger Kinder geben? Wahrscheinlich nicht. Und wenn doch – die, die kommen, sind dann wenigstens gewollt.