Kommentar Hajo Zenker zum Tag der Patientensicherheit Medizin: Noch selten digital

Hajo Zenker.
Hajo Zenker. © Foto: Moz Gerd Markert
Berlin / Hajo Zenker 14.09.2018

Wenn jeder Arzt weiß, was ein anderer Mediziner an Arznei verordnet, welche Untersuchungen er ausgeführt, welche Impfungen er gegeben hat, dann spart das Zeit, Geld und nützt der Gesundheit. Werden dann noch Messwerte zu Bewegung, Puls, Herzschlag, die viele von uns mit einem intelligenten Armband erheben, der elektronischen Patientenakte zugefügt, ergibt das eine Datenlage, die viele Behandlungsfehler vermeiden kann. Immerhin sterben laut Aktionsbündnis Patientenschutz 20 000 Deutsche pro Jahr wegen vermeidbarer Komplikationen. Kein Wunder, dass das Bündnis zum Tag des Patientenschutzes die Digitalisierung predigt.

So schnell aber wird das mit der schönen neuen Digitalgesundheit nichts. Die elektronische Akte ist in der Umsetzung ein jahrelanges Trauerspiel. Und was jetzt endlich an solchen Patientenakten vorliegt, sind Insellösungen. Die Akte einer Klinik ist nicht mit der eines anderen Krankenhauses kompatibel, die App einer Krankenkasse bei der Behandlung beim Arzt nicht einlesbar. Dazu kommen Datenschutzbedenken. Viele fragen sich, wo die Daten lagern werden. Klar ist: Machen uns kalifornische Internetriesen ihre Gesundheits-Apps schmackhaft, werden die Daten kommerziell ausgewertet. Und dann gibt es noch Angst vor Hackern, die Einblick in unseren Gesundheitszustand nehmen. Wobei gern vergessen wird: In vielen Praxen gehen heute Befunde per Fax hin und her, liegen dann offen herum, kommen durch einen Zahlendreher sonst wo an.

Sicherheit und unbedingtes Einverständnis der Patienten jedenfalls sind Grundvoraussetzung für Akzeptanz. Damit die Digitalisierung tatsächlich viele Leben retten kann.

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