Interview Medikamente: Kontrolle hat Schwachstellen

Wolf-Dieter Ludwig: In jedem Fall die Kontrolle verstärken.
Wolf-Dieter Ludwig: In jedem Fall die Kontrolle verstärken. © Foto: Lopata/AkdÄ
Berlin / Hajo Zenker 30.07.2018

Viele Patienten sind durch die jüngsten Arzneimittelskandale verunsichert. Wie man die Arzneimittelsicherheit erhöhen kann, erklärt Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft.­

Ein Blutdruck-Medikament unter Krebsverdacht, ein weiterer Skandal um gestohlene und unwirksame Krebsmittel – steht es schlecht um die Arzneimittelsicherheit in Deutschland?

Wolf-Dieter Ludwig: Diese skandalösen Vorgänge sind besorgniserregend und zeigen, dass existierende Maßnahmen zur Qualitätskontrolle und Überwachung der Arzneimittelsicherheit mitunter nicht funktionieren. Die Ursachen hierfür sind aber sehr unterschiedlich. Die Verunreinigung valsartanhaltiger  Präparate mit einem möglicherweise krebsauslösenden Stoff ist wahrscheinlich auf eine Veränderung in der Wirkstoff-Synthese beim chinesischen Hersteller zurückzuführen. Für den illegalen Import von sehr teuren, für die Behandlung von Krebspatienten unverzichtbaren Arzneimitteln ist ein kriminelles Netzwerk verantwortlich, dem es vor allem um Gewinnmaximierung ging. Sehr wichtig ist jetzt, die Schwachstellen im Gesundheitssystem gründlich zu analysieren. Die generelle Annahme, es stehe schlecht um die Arzneimittelsicherheit in Deutschland, ist jedoch falsch.

Sollte man trotzdem die Kontrollen verschärfen?

Ja unbedingt! Die Notwendigkeit belegen bereits die derzeit vorliegenden Analysen zum Import der valsartanhaltigen Arzneimittel beziehungsweise  des eindeutig illegalen Imports von Krebsmedikamenten. Insbesondere die für die Arzneimittelüberwachung zuständigen Landesbehörden agieren zu langsam, sind offensichtlich häufig mit diesen Problemen überfordert und verfügen meist auch nicht über ausreichend kompetentes Personal, um diese verantwortungsvolle Aufgabe adäquat wahrzunehmen.

Brauchen wir mehr Produktion in Deutschland?

Die Beispiele zeigen, dass die Arzneimittelversorgung in Deutschland Schwachstellen aufweist. Wir werden diese Probleme nicht lösen, ohne die Überwachung und Qualitätskontrollen deutlich zu verbessern. Dies erfordert zusätzliche Investitionen in die zuständigen Behörden und das eingesetzte Personal. Die Rück­verlagerung der Produktion von Arzneimitteln nach Deutschland beziehungsweise in die EU wäre wünschenswert. Ich glaube aber nicht, dass die Ressourcen hierfür in absehbarer Zeit zur Verfügung stehen.

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