Diplomatie Mazedonien: Bewegung im Namensstreit

Mit Zoran Zaev ist Bewegung in den Streit um den Namen Mazedoniens gekommen.
Mit Zoran Zaev ist Bewegung in den Streit um den Namen Mazedoniens gekommen. © Foto: afp
Gerd Höhler 03.01.2018
Darf Mazedonien so heißen? Griechenland streitet der ehemaligen Teilrepublik Jugoslawiens den Namen ab.

Mangelnde Ausdauer kann man Matthew Nimetz nicht vorwerfen. Seit fast einem Vierteljahrhundert versucht der ehemalige US-Diplomat im Auftrag der Uno in einem Streit zu vermitteln, der für die Öffentlichkeit außerhalb der Balkanregion nur schwer zu verstehen ist. Dafür beschäftigt er die internationale Diplomatie umso mehr. Denn die Kontroverse um den Namen der früheren jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien hat eine weit über die Region hinausgehende geopolitische Dimension. Nimetz ist mittlerweile 78 Jahre alt, aber jetzt wähnt er sich bei seiner Vermittlungsmission ganz nah am Ziel: Die Regierungen in Skopje und Athen scheinen endlich bereit, den Konflikt beizulegen.

Der Streit begann 1991, als sich die Teilrepublik aus dem zerfallenden Jugoslawien löste und ihre Unabhängigkeit ausrief – unter dem Namen „Republik Mazedonien“. Das löste in Athen heftigen Widerspruch aus. Die Griechen sahen darin Ansprüche auf die nordgriechische Provinz Makedonien und ihr kulturelles Erbe. Die Nachbarn im Norden schürten diese Ängste. Mazedonische Ultra-Nationalisten brachten Landkarten in Umlauf, auf denen sie große Teile Griechenlands bis hinunter nach Thessalien einem künftigen „Groß-Mazedonien“ einverleibten.

1993 stimmte Griechenland zwar der Aufnahme des Nachbarlandes unter dem Namen „Frühere jugoslawische Republik Mazedonien“ (Fyrom) in die Uno zu, aber nur als Übergangslösung. Seit 2005 blockiert Athen die Aufnahme der Nachbarn in die Nato und deren Beitritt zur EU. Mit der Ablösung des national-konservativen Regierungschefs Nikola Gruevski durch den Sozialdemokraten Zoran Zaev im vergangenen Mai kam Bewegung in den Konflikt.

Vermittler Nimetz drängt: Der Streit „kann und muss 2018 gelöst werden“. Noch im Januar oder Februar will Nimetz eine Verhandlungsrunde in New York ansetzen, von der er sich einen Durchbruch erhofft. Der griechische Premier Alexis Tsipras steht in der Namensfrage unter großem Druck der USA und anderer Nato-Partner: Im Juni soll Mazedonien in die Allianz aufgenommen werden. Davon verspricht man sich eine Stabilisierung des unruhigen Balkan.