Giftanschlag May droht Russland mit Sanktionen

Polizisten suchen auf einem Parkplatz in Salisbury nach Spuren des Gift­anschlags.
Polizisten suchen auf einem Parkplatz in Salisbury nach Spuren des Gift­anschlags. © Foto: Andrew Matthews/dpa
London / Hendrik Bebber 14.03.2018
Wie kann Großbritannien auf die mutmaßliche Verwicklung des Kreml in den Mordkomplott reagieren? Darüber wird debattiert.

Lange bevor das Ultimatum an den russischen Botschafter in London ablief, verneinte das Außenministerium in Moskau jegliche Verwicklung in den Giftmordanschlag an Sergei Skriphal und seine Tochter Yulia. Nun wird erwartet, dass Regierungschefin Theresa May am Mittwoch im Parlament sich zu den angedrohten Sanktionen äußert. „Es war ein geplanter Mord mit militärischen Nervengift in einer britischen Stadt,“ erklärte May nach einer Sitzung des Notstandskomitees. „Dies war nicht nur ein Verbrechen gegen die Skripals. Es war ein rücksichtsloser Akt gegen das Vereinigte Königreich, die das Leben unschuldiger Zivilisten aufs Spiel setzt.“

 May hatte bekannt gegeben, dass das Gift in Russland produziert worden war. Der Nervenkampfstoff stammt aus der „Nowitschok“-Serie, die in russischen Armeelabors entwickelt wurde, aber angeblich seit dem internationalen Abkommen über das Verbot chemischer Waffen vernichtet wurde. Die Premierministerin stellte den Kreml vor die Wahl, entweder zuzugeben, dass der Mordversuch  mit diesem Nervengift in Auftrag gegeben wurde, oder dass die russische Regierung die Kontrolle verloren hat und der Kampfstoff in kriminelle Hände geriet. In jedem Fall sei ein „ungesetzlicher Gewaltakt gegen das Vereinigte Königreich erfolgt,“ dass Großbritannien das Recht auf Selbstverteidigung gebe.

May kündete eine Reihe „extensiver Sanktionen“ gegen Russland an. Doch wie diese aussehen werden oder gar welchen Erfolg sie haben könnten, ist noch die große Frage.

 Auch diesmal lehnt der Kreml jede Verantwortung für die „menschliche Tragödie“ ab.  Das Außenministerium bat um eine Probe des Nervengiftes, um zu prüfen, ob es wirklich aus russischen Beständen stamme.

 Der Vorsitzende des außenpolitischen Parlamentsausschusses Tom Tugendhat verlangt Sanktionen gegen die schwerreichen Russen, die London den Spitznamen „Moskau an der Themse“ einbrachten. „Die Oligarchen, die so reich wurden, weil sie seit mehr als 20 Jahren das russische Volk bestehlen, sollten nicht mehr in der Lage sein, ihr Vermögen in London auszugeben. Wir sehen, wie russisches Geld unserer Institutionen korrumpiert.“

Unterdessen gab es in Großbritannien einen weiteren rätselhaften Fall: In London wurde ein russischer Exilant tot aufgefunden. Bei ihm handle es sich um Nikolai Gluschkow, einen früheren Geschäftspartner des Kreml-Kritikers Boris Beresowski, dessen Leiche wiederum im Jahr  2013 nahe London entdeckt worden war, berichteten britische und russische Medien. Die britische Anti-Terror-Polizei leitete nach eigenen Angaben eine Untersuchung ein. 

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