Tröglitz Markus Nierth: Theologe und Trauerredner

Von Haus aus Theologe: Markus Nierth, Ex-Bürgermeister von Tröglitz.
Von Haus aus Theologe: Markus Nierth, Ex-Bürgermeister von Tröglitz. © Foto: dpa
Tröglitz / ANDREA SEEGER, EPD 21.03.2015
Der Rückzug von Markus Nierth als Bürgermeister im ostdeutschen Tröglitz hat die Politik bewegt. Inzwischen ist mehr über seine Person bekannt.

Am 8. März wollten Neonazis eine Kundgebung direkt vor seinem Wohnhaus in Tröglitz in Sachsen-Anhalt abhalten. Da reichte es dem ehrenamtlichen Bürgermeister der Gemeinde, Markus Nierth (46). Er trat zurück, weil er sich allein gelassen fühlte von den Behörden. Bis hin zum Bundespräsidenten wurde der Vorgang bedauert: Es müsse "Schluss sein mit Bedrohungsszenarien", sagte Joachim Gauck.

Nun wagt sich der siebenfache Familienvater, über den bislang nur wenig bekannt war, an die Öffentlichkeit. Von Haus aus ist er evangelischer Theologe. Ursprünglich habe er Pfarrer der hessen-nassauischen Kirche werden wollen, sagte er. Da es dort Ende der 1990er Jahre jedoch zu wenig Planstellen gab, habe er einen anderen Berufsweg eingeschlagen.

Nierth, der aus Sachsen-Anhalt stammt und 1980 in den Westen floh, studierte nach dem Abitur 1984 Theologie in Oberursel und Tübingen. Von 1997 bis 1999 war er Vikar in Rimbach im Odenwald. Im Jahr 2000 ging er zurück in die entkirchlichte ehemalige DDR, um mit Spenden evangelische Gemeinden aufzubauen. Als freiberuflicher Trauerredner baute er sich in Tröglitz eine Existenz auf. Seine Frau betreibt dort eine Tanzschule.

Als die 2900-Einwohner-Gemeinde 40 Asylbewerber aufnehmen sollte, habe er das unterstützt. Im Gemeindeblatt warb der 2013 gewählte Bürgermeister um Verständnis für Flüchtlinge. Die NPD warnte hingegen auf Flugblättern vor "Verschmutzung, Lärmbelästigung und dem Verfall der Grundstückspreise". Einwohner von Tröglitz begannen mit Protestmärschen, später dominierten Neonazis aus anderen Orten die Demonstrationen. "Die Ortschaft ist nicht braun", sagt Nierth. Die NPD-Anhänger hätten "die braune Last erst herbeigeholt".

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