Venezuela Maduro nach mutmaßlichem Angriff unversehrt

Mehrere Soldaten wurden verletzt.
Mehrere Soldaten wurden verletzt. © Foto: dpa
Caracas / Tobias Käufer 06.08.2018

Genau in jenem Moment, in dem Venezuelas sozialistischer Präsident Nicolas Maduro über die Wiederherstellung der Wirtschaftskraft spricht, gibt es einen lauten Knall. Ehefrau Cilia Flores blickt erschrocken gen Himmel, Soldaten fliehen auf der Avenida Bolivar wie auf Kommando in alle Himmelsrichtungen und das Staatsfernsehen unterbricht die Übertragung. „Heute hat man versucht mich zu ermorden“, ließ Maduro anschließend in einer Erklärung wissen.

Für Venezuelas Elite ist sofort klar: Es handelt sich um einen terroristischen Anschlag. Vertreter von Parlament, Justiz und Regierung legen sich mit verbaler Unterstützung aus dem verbündeten Ausland so schnell fest, dass eine andere Interpretation gar nicht mehr möglich ist, obwohl in den Medien als auch von Augenzeugen andere Versionen kursieren. Es ist von einer explodierten Gasflasche die Rede, andere reden von einer inszenierten Explosion, die ein Attentat vortäuschen soll.

Maduro kündigt umgehend umfassende Ermittlungen und Konsequenzen an: „Egal, wer fällt.“ Damit hat der nach den umstrittenen Wahlen vor ein paar Monaten im Amt bestätigte Präsident alle Karten in der Hand, um die ohnehin schon unter Inhaftierung, Hausarrest, Berufsverbot oder Exil leidende Opposition endgültig zu zerlegen. Erst vor wenigen Tagen hatte Maduro beim Parteitag der sozialistischen PUSV seine Machtbasis gefestigt und erstmals öffentlich eine Verantwortung für die katastrophale wirtschaftliche Situation des ölreichsten Landes der Welt übernommen. Doch nach dem lauten Knall von Caracas verfiel er wieder in den alten Modus, dunklen ausländischen Mächten die Schuld für innenpolitische Entwicklungen zu geben.

Die Verantwortung für das mutmaßliche Attentat von Caracas trägt nach Lesart der Venezolaner ausgerechnet ein Friedensnobelpreisträger: Juan Manuel Santos, seit dem Friedensschluss mit der venezuela-freundlichen Guerilla-Organisation FARC ein international geschätzter Pragmatiker, soll unmittelbar vor seinem Ruhestand noch mal eben ein Attentat ferngesteuert haben. Auch Donald Trump und die USA sollen die Strippen gezogen haben. So zumindest präsentiert Maduro die erstaunlich schnellen Ermittlungsergebnisse seines Inlandsgeheimdienstes.

In den Reihen der Militärs, wo es bereits in den letzten Monaten zu Säuberungsaktionen kam, beginnt nun das große Aufräumen. Maduro folgt damit einer Linie, die seit Beginn der venezolanischen Revolution vom früheren Machthaber Hugo Chavez vorgegeben wird: Loyalität zum Sozialismus geht vor Kompetenz. Wer als möglicher Feind der Revolution verdächtigt wird, gerät ins Visier des gefürchteten Inlandsgeheimdienstes Sebin, der bereits jetzt Oppositionspolitiker auf Schritt und Tritt verfolgt und rund 300 politische Gefangene in den überfüllten Haftanstalten wegsperren ließ.

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