Stuttgart M@ppus wieder im Geschäft

Stuttgart / ROLAND MUSCHEL 13.07.2013
Lange hat Ex-Regierungschef Mappus ein Geheimnis um seinen neuen Arbeitgeber gemacht. Nun ist es gelüftet: Er berät ein IT-Unternehmen.

Im Landtagswahlkampf 2001 verpasste Stefan Mappus seinem Namen einen modernen Anstrich: Die Schreibweise "M@ppus" sollte zeigen, dass er am Puls der Zeit ist.

Auch als Ministerpräsident 2010/2011 pflegte der CDU-Mann sein Faible für moderne Medien. Mit Hilfe von iPad und iPhone hielt er sich auf dem Laufenden und seine Leute auf Trab. E-Mails und Handynachrichten, die während der Untersuchung des ENBW-Deals öffentlich geworden sind, zeugen davon.

Im Rückblick würde Mappus wohl am liebsten eine Reihe seiner elektronischen Korrespondenzen ungeschehen machen. Dann hätte er sich so manchen Rechtsstreit um den Zugriff auf seine Festplatten und viele Schlagzeilen erspart.

Trotz dieser unliebsamen Erfahrungen bleibt der Ex-Politiker den neuen Medien treu. Er verdient, was bisher nur eine Handvoll Eingeweihter wusste, damit inzwischen sogar sein Geld: Die pmONE AG, ein aufstrebendes Software- und IT-Beratungsunternehmen in Unterschleißheim bei München, hat sich die Dienste des Regierungschefs a.D. gesichert. "Herr Mappus ist für uns als Berater des Vorstands tätig", bestätigte Vorstandsmitglied Stefan Sexl der SÜDWEST PRESSE die Top-Personalie.

"Wir wollten ihn als Person, nicht als ehemaligen Ministerpräsidenten", erklärt Sexl die Tatsache, dass die AG, die einer breiten Öffentlichkeit selbst kaum bekannt ist, die bereits im November 2012 erfolgte Mappus-Verpflichtung nicht offensiv vermarktet hat.

Mappus selbst behandelte seinen zweiten Arbeitgeber nach dem Politikausstieg bisher ebenfalls wie ein Staatsgeheimnis. Sein erstes Engagement beim Pharmakonzern Merck, dessen Brasilien-Geschäfte er führen sollte, hatte er Ende 2011 nach nur drei Monaten beendet. Offizielle Erklärung: Die Untersuchung des ENBW-Deals erfordere eine angemessene "Wehrfähigkeit".

Dass er kämpfen kann, hat der frühere Raketenartillerist erst jüngst wieder vor dem ENBW-Ausschuss mit verbalen Angriffen auf die beratende Anwaltskanzlei und den Rechnungshof gezeigt. Da war er bereits für pmONE AG tätig - World Wide Web und Wehrfähigkeit schließen sich offenbar nicht aus.

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