Hintergrund Lkw-Verkehr: Mythos und Wirklichkeit

Lastwagenfahrer an der Autobahnraststätte Nürnberg-Feucht an der A9
Lastwagenfahrer an der Autobahnraststätte Nürnberg-Feucht an der A9 © Foto: Daniel Karmann
Berlin / Dorothee Torebko 24.08.2018

Lkw-Fahrer werden gerade auf Autobahnen und Landstraßen von vielen Autofahrern kritisch beäugt. Schon allein wegen ihrer Größe und Länge verlangen die Brummis Respekt und jagen einigen Verkehrsteilnehmern sogar Angst ein. So sind einige der Mythen um die Lastkraftwagen entstanden. Wir klären die größten davon auf.

Es gibt immer mehr Lkw-Unfälle: Es stimmt, dass die Zahl an Lastwagen von Jahr zu Jahr zunimmt. Doch das bedeutet nicht gleichzeitig, dass es auch immer mehr Blech- und Personenschäden gibt. Ganz im Gegenteil. Tatsächlich sinken die Unfallzahlen seit 25 Jahren kontinuierlich. Ein Blick in die Erhebungen des Statistischen Bundesamtes beweist: Im Jahr 1992 gab es 38 700 Unfälle, bei denen eine Person zu Schaden kam. Bei der neuesten Erhebung im Jahr 2017 waren es 9600 Unfälle weniger. Allerdings sind Unfälle, an denen Lastwagen beteiligt sind, meist heftig – deshalb bleiben sie in der Öffentlichkeit im Gedächtnis. Bei den 29 100 Zusammenstößen im vergangenen Jahr sind fast 800 Menschen gestorben.

Ausländische Fahrer sind gefährlicher als Deutsche: Das stimmt genauso wenig. Von den 32 200 Unfällen im Jahr 2017, bei denen ein Lastwagen beteiligt war, stammt nur ein Bruchteil der Fahrer, nämlich 4400, aus dem Ausland. Allerdings muss hier eingeräumt werden, dass die Zahl der ausländischen Unfallfahrer insgesamt gestiegen ist. Vor 25 Jahren waren es nur halb so viele Brummifahrer, die mit ihrem Transporter Blech- oder Personenschäden verursachten. Das ist auf die Grenzöffnung innerhalb der Europäischen Union zurückzuführen.

Lastwagen-Fahrer sind bei Unfällen meistens schuld: Auch dieser Mythos hält sich seit langem. Fakt ist, dass Autofahrer 13-mal mehr Unfälle verursachen als Lkw-Fahrer. Im Jahr 2017 war in rund 136 000 Fällen ein Autofahrer der Verursacher eines Schadens, in rund 10 300 Fällen war es ein Lastwagenfahrer. Selbst Fahrradfahrer sind häufiger schuld. Die waren im vergangenen Jahr nämlich für beinahe 33 000 Unfälle verantwortlich.

Bald fahren nur noch Geister-Lkw über die Autobahnen: Zwar ist die Technik heute schon so weit, dass Lastwagen-Flotten aus Fahrzeugen ohne Fahrer hintereinander her fahren können. Zwischen Nürnberg und München läuft sogar bereits ein Testbetrieb für sogenannte Platoons (Brummi-Verbände). Doch die Gesetze sind noch nicht so weit, dass Speditionen „Platooning“ in der Praxis betreiben könnten. Derzeit dürfen die Fahrer ihre Hände nicht vom Lenkrad nehmen. Bis also autonome Lkw die deutschen Straßen bevölkern, werden deshalb noch viele Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte vergehen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel