Moskau Ljudmila Alexejewa: Russlands Grande Dame der Menschenrechtsbewegung

Russlands Grande Dame der Menschenrechtsbewegung: Ljudmila Alexejewa.
Russlands Grande Dame der Menschenrechtsbewegung: Ljudmila Alexejewa. © Foto:  afp
Moskau / DPA 01.06.2016
Ljudmila Alexejewa kämpft seit Jahrzehnten ungebrochen für mehr politische Freiheit in ihrer russischen Heimat. Ihr Empfang bei Bundespräsident Joachim Gauck ist auch ein Zeichen Richtung Kreml.

Im Kampf um demokratische Werte in Russland gilt Ljudmila Alexejewa längst als Ikone der Bürgerrechtsbewegung. Immer wieder schaltet sich die 88-jährige Leiterin der Moskauer Helsinki-Gruppe in Diskussionen ein. Für ihren Einsatz erhielt sie 2009 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland sowie den Sacharow-Preis des EU-Parlaments. Dieser Tage traf sie Joachim Gauck. In Moskau gilt ihr Empfang beim Bundespräsidenten als Zeichen – in der schwersten Ost-West-Krise seit dem Kalten Krieg.

Geboren wurde Alexejewa am 20. Juli 1927 in Jewpatorija auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim, die sich Russland 2014 gegen den Widerstand der Ukraine nach einem Referendum einverleibt hat. Während zahlreiche Russen die Annexion als „Wiedervereinigung“ begrüßen, verurteilt die Menschenrechtlerin den Schritt. Sie sei erschüttert, dass der Bruch des Völkerrechts vielen Landsleuten egal sei, sagte sie einmal.

Als Initialzündung ihres politischen Handelns nennt Alexejewa die Entstalinisierung in der Sowjetunion der 1950er Jahre. Die Schilderungen der Gräuel in den Arbeitslagern (Gulag) hätten sie schockiert, sagt Alexejewa. Die damalige Geschichtslehrerin traf immer öfter Dissidenten und geriet ins Visier des Geheimdienstes.

Es folgten Hausdurchsuchungen, Berufsverbot und 1977 die Ausbürgerung. Nach Jahren im US-Exil kehrte sie 1993 nach Moskau zurück. Ihren Sitz im Menschenrechtsrat des Präsidenten Wladimir Putin gab sie 2012 aus Protest ab, doch die Zusammenarbeit hat sie mittlerweile wieder aufgenommen. „Man kann als Mitglied mehr für die Bürgerrechte tun“, begründet sie den Schritt.

Dem Westen wirft Alexejewa vor, sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 nicht genug um Russland gekümmert zu haben. „Es hätte Gelegenheiten gegeben, uns klarer zu zeigen: Wir erkennen euch als europäisches Volk an“, sagte sie einmal.

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