Berlin / ANDRÉ BOCHOW  Uhr
Die Linkspartei hat ein Aufreger-Thema gefunden: Die Israelpolitik. Die Partei-Flügel bombardieren sich mit Vorwürfen. Hintergrund ist der Angriff zweier Palästina-Aktivisten auf Fraktionschef Gysi.

Bernd Riexinger sitzt auf der kleinen Bühne im Karl-Liebknecht-Haus und kommt gleich zur Sache. Es geht um "Toiletten-Gate", den Augenblick, als Max Blumenthal aus den USA und David Sheen aus Israel Gregor Gysi bis zur WC-Tür verfolgten. Die beiden sind bekannte Kritiker der israelischen Palästinapolitik. Für Riexinger sind Blumenthal und Sheen "zwei Herren, die sich selbst als Journalisten bezeichnen." Der Vorsitzende der Linkspartei findet es richtig, dass der "Bundespräsident den beiden Hausverbot erteilt hat."

Weil Gregor Gysi eine Veranstaltung mit Sheen und Blumenthal am 9. November in der Volksbühne verhinderte, wurde diese an einen anderen Ort verlegt. Doch am nächsten Tag tauchten beide zu einem Fachgespräch im Bundestag auf.

Die dort vertretenen Thesen waren zum Teil abenteuerlich. Die Initiatorinnen aus der Linkspartei Inge Höger, Annette Groth, Heike Hänsel und Claudia Haydt widersprachen nicht. Alle vier Frauen kommen aus westdeutschen Landesverbänden. Wie Annette Groth kam auch Heike Hänsel über die linke Landesliste in Baden-Württemberg in den Bundestag. Sie ist die entwicklungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Auch auf ihrer Internetseite findet sich nun eine "persönliche Erklärung", in der die vier Genossinnen versichern, "persönlich schwer betroffen" zu sein, "angesichts der Eskalation vor Gregor Gysis Büro am 10. November 2014."

Zur "Eskalation" gibt es einen fast zehnminütigen Film im Internet. In ihm sieht und hört man, wie die empörten Frauen ihre noch empörteren Gäste vor das Gysi-Büro führen. Als der Fraktionschef aus seinem Büro kommt, stürzt David Sheen auf ihn zu und verlangt eine Erklärung dafür, warum ihn Gysi angeblich als Antisemiten beschimpft habe. Ob denn Gysi wisse, was Sheen erwarte, wenn er nach Israel zurückkomme. Gysi erreicht die Klotür, Sheen drückt dagegen, Gysi brüllt: "Raus mit Dir".

Gefilmt und veröffentlicht wurde die bizarre Szene von Martin Lejeune, einem Journalisten, der Hinrichtungen von Palästinensern in Gaza durch die Hamas während des letzten Gazakrieges rechtfertigte und anmerkte: "Das alles ist sehr sozial abgelaufen."

Das haben andere Linke aufgegriffen, die sich gegen die Verantwortlichen der "Eskalation" wenden. Sie stellen in einem Aufruf klar: "Annette Groth, Inge Höger, Heike Hänsel und Claudia Haydt sprechen nicht in unserem Namen. Wir fordern sie auf, daraus Konsequenzen zu ziehen."

Der Streit schwelt. "Die sozialistische Linke" ruft nun "alle Genossinnen und Genossen auf, die öffentliche und schädliche Auseinandersetzung" zu beenden. Inzwischen hat sich auch Gregor Gysi geäußert. Mit Interesse habe er die Erklärung "Ihr sprecht nicht für uns!" zur Kenntnis genommen. Die Entschuldigung der Veranstaltungsorganisatorinnen habe er angenommen.