Parteien Linke Sammlungsbewegung nimmt Gestalt an

Sahra Wagenknecht: aufstehen für linke Ideale.
Sahra Wagenknecht: aufstehen für linke Ideale. © Foto: Britta Pedersen/dpa
Berlin / André Bochow 13.08.2018

Man reibt sich die Augen. Kommentatoren der „Wirtschaftswoche“ oder des „Spiegel“ freuen sich auf „Aufstehen“. In der Linkspartei, deren Bundestagsfraktion Sahra Wagenknecht leitet, bekommt die Sammlungsbewegung dagegen vorerst wenig Zuspruch. Dort verweisen viele darauf, dass man ja selbst Linke aus Ost und West vereint habe und das auch weiterhin anstrebe. Wagenknechts Stellvertreterin in der Fraktion, Sevim Dagdelen, ist  eine glühende Aufsteherin. „Tatsache ist, dass die Linke zwar stabile Werte von neun bis zehn Prozent hat, es aber offenbar nicht vermag, die Wähler anzusprechen, die die SPD verloren hat.“ Das seien immerhin seit 1998 etwa zehn Millionen gewesen. Die Linke habe  aber nur zwei Millionen dieser Wähler gewinnen können. „Und mit zehn Prozent kann die Linke nicht die Machtfrage stellen.“

Ein gutes Gewissen

Laut einer Umfrage kann sich ein Drittel der Deutschen vorstellen, die Sammlungsbewegung zu wählen. „Wir wollen wie Bernie Sanders in den USA oder Jeremy Corbyn in Großbritannien unsere Parteien umkrempeln“, sagt Sevim Dagdelen, um wieder Wahlen zu gewinnen und dieses Land zu verändern.“ Soll also aus der Bewegung eine neue Partei werden?  „Wenn wir damit Erfolg haben, braucht es keine neue Partei.

Sahra Wagenknecht und ihre Getreuen haben darüber hinaus in den vergangenen Wochen auf eine ganze Schar prominenter Mitstreiter verwiesen, deren Namen aber noch geheim bleiben sollen. Trotzdem sickerten einige durch. Die der Schriftsteller Eugen Ruge und Ingo Schulze, des Soziologen Wolfgang Streek, des Liedermachers Konstantin Wecker oder der der grünen Politikerin Antje Vollmer. „Auch Peter Brandt ist dabei“ freut sich der Ex-Vorsitzende von SPD und Linkspartei, Oskar Lafontaine.  Brandt, Historiker und ältester Sohn Willy Brandts hat gerade einen Aufsatz geschrieben. In Anlehnung an die Gesamtheit der Christen lautet sein Titel: „Wir brauchen eine linke Ökumene.“

Ähnlich wie Wagenknecht und Lafontaine will Peter Brandt eine Rückbesinnung aller Linken auf die soziale Frage. „Einflussreiche Fraktionen des Mitte-links-und linken Spektrums“ hätten sich zu sehr um „liberalisierende Resultate“ des politischen Kampfes gekümmert, der mit der 68er Bewegung verbunden wird. Genau das denkt Sahra Wagenknecht auch. Gelegentlich spricht sie „von der glitzernden Hülle linksliberaler Werte“. Und damit auch jeder versteht, was sie meint, fügte sie hinzu: „Weltoffenheit, Antirassimus und Minderheitenschutz sind das Wohlfühl-Label, um rüde Umverteilung von unten nach oben zu kaschieren und ihren Nutznießern ein gutes Gewissen zu bereiten.“

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