Porträt Lilian Tintori kämpft um ihren Mann und für ein besseres Venezuela

Lilian Tintori.
Lilian Tintori. © Foto: dpa
Caracas / dpa 12.05.2017

Eigentlich hat sie keine Funktion, sie beschreibt sich als: „Mutter von zwei Kindern und Ehefrau von Leopoldo López.“ Doch in diesen blutigen Tagen in Venezuela sieht man Lilian Tintori überall. Mit Gasmaske an der Spitze einer Demonstration. Wie sie im Internet die Demopläne für den nächsten Tag verkündet oder mit müdem Blick in die Augen schwer bewaffneter Polizisten schaut, die ihr wieder einmal den Zugang zum Gefängnis verwehrt haben, in dem López sitzt.

2014, zu Beginn der damaligen Proteste gegen den sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro, wurde der Oppositionsführer festgenommen. Wegen angeblicher Anstachelung zur Gewalt. „Es gibt keinen Zweifel, warum Leopoldo im Gefängnis ist: Maduro hat Angst vor ihm und er hat allen Grund dazu“, sagte Tintori. Im September 2015 das Urteil: 13 Jahre, neun Monate und sieben Tage Haft. „Verliert nicht für eine Minute die Kraft, die Hoffnung und den Glauben“, ruft López.

Er kämpft von drinnen, sie von draußen, Venezuelas bekanntestes Paar. Mit der Macht, die Massen zu mobilisieren. 35 Tage lang, bis letzten Sonntag, durfte Tintori López zuletzt nicht sehen. Rund 40 Tote gab es seither bei Protesten. Dann endlich eine Botschaft von ihm: „Ich bin drei Jahre in einem Militärgefängnis mit Soldaten und Offizieren. Ich weiß, dass heute die Mehrheit von Euch gegen die Diktatur ist.“ Ein Aufruf zum Bruch mit Maduro.

Früher sah Tintoris Leben so aus: Als Kitesurf-Meisterin surfte sie  in Rekordzeit zur Karibikinsel Aruba. Heute sind die Wellen ihres Lebens das Auf und Ab im Kampf um Lòpez und um ein besseres Venezuela. Fast jeden Tag steht die 39-Jährige vor den Toren des Militärgefängnisses Ramo Verde bei Caracas. Fordert  den Zugang zu ihrem Mann, der bis zu seiner Verhaftung der mächtigste Gegenspieler Maduros war.