Berlin / DPA

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer wird auch aus den eigenen Reihen aufgefordert, sich für einen Karnevalswitz über intersexuelle Menschen zu entschuldigen.

„Natürlich ist eine Entschuldigung fällig. Das erwarten wir“, sagte am Montag der Vorsitzende des Bundesverbands der Lesben und Schwulen in der Union, Alexander Vogt. Auch im Karneval gebe es Grenzen. „Man macht ja auch über andere Minderheiten keine Witze mehr“, sagte er im SWR. Auch Grünen-Chefin Annalena Baerbock hält eine Entschuldigung für angebracht. Kramp-Karrenbauer wollte nach Angaben einer Sprecherin am Montag keine Stellungnahme abgeben.

Die CDU-Chefin hatte am Donnerstag mit einer Fastnachtsrede in Stockach (Baden-Württemberg) für Empörung gesorgt. Zu der Einführung von Toiletten für das dritte Geschlecht, sagte Kramp-Karrenbauer: „Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist die Toilette.“

Vogt sagte, auch wenn der Witz Kramp-Karrenbauers keine böse Absicht gewesen sei, mache das die Sache nicht besser. „Wenn das unüberlegt passiert, ist es ja auch ein Zeichen dafür, wie es landläufig verbreitet ist, dieses Denken.“ .

Auch die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) kritisiert die CDU-Vorsitzende. Die Vorsitzende der Organisation, Petra Weitzel, sagte der „Rheinischen Post“ (Dienstag), Kramp-Karrenbauer beleidige und verletze die Gefühle aller transsexuellen, intersexuellen und nichtbinären Menschen. „Fastnacht ist nicht dafür da, dass die Obrigkeit sich über die "kleinen Leute" lustig macht, sondern umgekehrt“, sagte Weitzel. Eine Entschuldigung würde aber keiner mehr ernstnehmen, so Weitzel weiter.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak verteidigte Kramp-Karrenbauer. „Es ist Karneval. Und im Karneval sollte man die Dinge nicht zu ernst nehmen“, sagte er im Interview der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstag).

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: „Büttenreden kommentiere ich nicht.“ Er könne aber gerne über die Politik der Bundesregierung zu Intersexualität Auskunft geben. Die Rechte dieses Personenkreises sei erst Ende Dezember gesetzlich gestärkt worden. Nun könne neben „männlich“ und „weiblich“ auch „divers“ ins Geburtenregister eingetragen werden. Zudem sei für Menschen mit Variationen der Geschlechtsentwicklung die Möglichkeit geschaffen worden, ihre Eintragungen beim Standesamt, was Geschlechtszugehörigkeit oder auch den Vornamen betrifft, nachträglich zu ändern. „Wir setzen damit eine Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts um.“

Grünen-Chefin Baerbock sagte, ein Witz könne immer mal missglücken. „Aber wenn man sich dafür nicht entschuldigt, wenn er auf Kosten von Minderheiten geht, dann steckt da mehr dahinter.“ Es gebe eine Vorgeschichte, nämlich umstrittene Äußerungen Kramp-Karrenbauers zur Ehe für Schwule und Lesben. „Die Frage von Anti-Diskriminierung, von respektvollem Miteinander, gilt 365 Tage im Jahr, und auch zu Karneval“, sagte Baerbock.

Der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach twitterte: „Witze im Karneval dürfen auch derb sein. Aber Kramp-Karrenbauers Witz zeigt, was sie von der Debatte um das 3. Geschlecht denkt. Weil diese Menschen extrem unter der Diskriminierung leiden, muss sie sich entschuldigen.“ Da breche ihr kein Zacken aus der Narrenkrone.

Linken-Chef Bernd Riexinger argumentierte, gute Faschingsreden zeichneten sich dadurch aus, dass das Volk sich über die Herrschenden, Eliten und Reichen lustig machen könne oder über Politiker. „Ich finde, sie müsste sich entschuldigen.“ Das passe nicht in die Zeit.

Der CDU-Abgeordnete Philipp Amthor sagte im Deutschlandfunk, er könne sich über diese Empörung nur wundern. „Ich finde, in der Karnevalszeit gehört es dann auch dazu, dass es auch mal deutlich überspitze Pointen gibt. Das gehört sicherlich in die Kategorie.“ Das sei dann auch mal zu akzeptieren. Kramp-Karrenbauer sei „eine sehr differenzierte Frau und gesellschaftspolitisch auf der Höhe der Zeit. Das finde ich falsch, da jetzt Diskriminierung heraus abzuleiten“.