Leitartikel: Tore für den guten Ruf

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Armin Grasmuck 12.01.2018

Die besten Fußballer der Republik starten an diesem Wochenende unter kuriosen Vorzeichen in die Rückrunde der Bundesliga. Thomas Müller, die Marios Götze und Gomez müssen wie ihre gut 400 Kollegen neben den eigentlichen Zielen wie Meisterschaft, der Qualifikation für den Europapokal oder Klassenerhalt in diesem Halbjahr auch um das Ansehen der höchsten deutschen Spielklasse kämpfen.

Diese Bundesliga, von ihren Protagonisten vor kurzem noch in den höchsten Tönen als Nonplusultra rund um den Globus gepriesen, hat im vergangenen Herbst auf verschiedenen Plätzen, national und international, unerwartet schwere Niederlagen einstecken müssen, die viele Anhänger erschrecken und selbst bei den traditionell vom Erfolg verwöhnten Anführern des Milliardengeschäfts die Alarmglocken schrillen lassen.

220 Millionen Euro für den Superstar, 150 Millionen für das vielversprechende Angriffstalent, gut 80 Millionen für einen Verteidiger ohne Rang und Namen – spätestens Ende August, als die Frist für Vereinswechsel im Sommer abgelaufen war, wurde mehr denn je deutlich, dass den Klubs der Bundesliga die finanziellen Mittel fehlen, um in dem Wettbewerb auf der Spielerbörse mit den besser situierten Konkurrenten aus dem Ausland, speziell aus England, bestehen zu können. Selbst die Macher von Bayern München, dem deutschen Rekordmeister, ausgestattet mit einem stabilen Festgeldkonto und dem erlesenen Kader von Akteuren der Spitzenklasse, schienen von diesem kapitalen Trend spürbar betroffen.

Die Ergebnisse der deutschen Klubs im Europapokal scheinen die negativen Eindrücke zu bestätigen. Hoffenheim scheiterte bereits in der Qualifikation zur Champions League, die Freiburger verpassten gar den ­Eintritt in die Europa League. Von den sieben deutschen Vereinen, die im Herbst in den kontinentalen Wettbewerben antraten, sind im Frühjahr nur noch drei dabei: die Bayern, die standesgemäß im Achtelfinale der Champions League antreten, sowie Borussia Dortmund und RB Leipzig, die aus der Champions League abstiegen und nun in der Europa League weitermachen müssen.

Von vergleichsweise bescheidenem Niveau wirkte auch der Wettstreit um die Spitzenplätze auf nationaler Ebene. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Bayern, im Oktober nach sieben Spieltagen noch fünf Punkte hinter Dortmund gelegen, am Ende der Hinserie souverän von der Tabellenspitze grüßen, ohne groß geglänzt zu haben? Mit elf Punkten Vorsprung auf Verfolger Schalke – und 13 auf Dortmund.

In der aufgrund der Weltmeisterschaft, die im Sommer in Russland ausgetragen wird, stark verkürzten Winterpause haben die Trainer der 18 Bundesligisten mit Hochdruck vornehmlich an technischen und taktischen Elementen gearbeitet, um mit ihren Mannschaften schnell und effizient in die Rückrunde starten zu können. Es geht um Tore und Punkte, selbstbewusst und auf mitreißende Art herausgespielt, die auch den angekratzten Ruf der Liga aufpolieren.

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