US-Wahl Leitartikel zur US-Wahl: Clinton ist die einzige Option

In den kommenden drei Monaten werden Hillary Clinton und Donald Trump um das mächtigste Amt der Welt kämpfen.
In den kommenden drei Monaten werden Hillary Clinton und Donald Trump um das mächtigste Amt der Welt kämpfen. © Foto: Peter Foley
PETER DE THIER 30.07.2016
Die Kandidaten der beiden US-amerikanischen Großparteien für die Präsidentschaftswahl im November stehen fest: Donald Trump tritt gegen Hillary Clinton an. Doch eigentlich gibt es nur eine Option. <i>Ein Leitartikel des SWP-Amerika-Korrespondenten Peter de Thier.</i>

Mit der fraglos besten Rede ihres Lebens und der Annahme ihrer historischen Nominierung als erste US-Präsidentschaftskandidatin hat Hillary Clinton zugleich den Startschuss gegeben für einen Wahlkampf, der zum bittersten aller Zeiten ausarten könnte. In den kommenden drei Monaten werden eine erfahrene, sachliche Politikerin und ein unberechenbarer, dünnhäutiger Demagoge, der in den Themen alles andere als sattelfest ist, um das mächtigste Amt der Welt ringen.

Beide haben Schwächen, Clinton aber auch bedeutende Stärken. Bei ihrem republikanischen Kontrahenten Donald Trump dagegen drängt sich die Frage auf, was seine Millionen von Anhängern in dem Mann  sehen – außer seiner Ablehnung der politisch Etablierten. Amerikas Wähler müssen erkennen, dass sie dieses Jahr keine tragfähige Alternative haben. Clinton ist ihre einzige Wahl.

Dass Clintons Qualifikationen für das Präsidialamt denen ihres republikanischen Widersachers haushoch überlegen sind, ist unbestritten. Als ehemalige First Lady, Senatorin und Außenministerin bewegt sie sich mühelos auf dem politischen Parkett. Sie genießt bei Bündnispartnern hohes Ansehen. Ihre Positionen wanken gelegentlich ein wenig, womit sie sich den Ruf einer eiskalten Opportunistin eingehandelt hat.

Konstant ist aber ihre Überzeugung, für Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit kämpfen zu wollen. Clintons Außenpolitik setzt auf Diplomatie und Dialog statt Unilateralismus und Konfrontation, was wiederum Trumps Markenzeichen ist. Clinton hat konkrete Konzepte und Programme, selbst wenn sich diese je nach Zusammensetzung des neuen Kongresses keineswegs alle werden umsetzen lassen.

Trump dagegen bietet nichts außer Demagogie und Schwarzmalerei. Er zeichnet das düstere Bild einer Nation, deren Wirtschaft am Boden liegt. Einer Nation, die von Kriminalität bedroht ist, die vorwiegend illegale Einwanderer zu verantworten haben. Im Kampf gegen den Terror und speziell den IS habe Präsident Barack Obama kläglich versagt, meint er, und Amerika damit anfällig für weitere Attacken gemacht. Trump verbreitet gezielt Weltuntergangsstimmung. Doch an die Stelle von Lösungen treten bei ihm Drohgebärden, Beleidigungen und an Rassismus grenzende Pauschalisierungen.

Vor diesem Hintergrund und nach ihrer überzeugenden, detaillierten Rede erscheint alles andere als ein Clinton-Sieg undenkbar. Gewiss hat sie Glaubwürdigkeitsprobleme, die Trump bis November schonungslos ausschlachten wird. Weder die E-Mail-Affäre noch der Wikileaks-Skandal und die Kampagne der demokratischen Partei, die Bernie Sanders Knüppel zwischen die Beine werfen wollte, stehen ihr gut zu Gesicht. Spielentscheidend sind diese aber nicht. Trump dagegen hat sich allein mit seinem Temperament und seinen unkontrollierten Hasstiraden längst disqualifiziert.

Das erkennen auch zahlreiche Republikaner, die zähneknirschend das Lager gewechselt haben und während des Parteikonvents Clinton das Vertrauen aussprachen. Viele Republikaner, die ihr Leben lang konservative Kandidaten gewählt haben, sagen, sie müssten nun an das Wohl der Nation denken. Deren Zukunft dürfe man nicht einem launischen Demagogen anvertrauen.

Ein Restrisiko besteht darin, dass viele Sanders-Anhänger aus Protest das Lager wechseln oder sich der Stimme enthalten könnten. Wahlentscheidend dürfte das aber nicht sein. Hillary Clinton wird letztlich als Siegerin dastehen und Donald Trump hoffentlich ein für alle Mal von der politischen Bühne verschwinden.