Leitartikel Leitartikel zur Debatte um das Bargeld

Hajo Zenker
Hajo Zenker © Foto: MOZ Gerd Markert
Berlin / Hajo Zenker 03.01.2018
Es kostet Geld, Bargeld herzustellen und zu verteilen. Doch Bargeld bedeutet Freiheit – die dürfen wir uns nicht nehmen lassen.

Die Deutschen sind sehr konservativ – zumindest, wenn es um das Bezahlen geht. Acht von zehn Einkäufen werden bar erledigt, zumeist bei kleineren Beträgen. Gut die Hälfte des Einzelhandelsumsatzes wird per Bargeld realisiert. Zudem haben in keinem anderen Euroland die Bürger so viele Scheine und Münzen im Portemonnaie  – laut Europäischer Zentralbank (EZB) 103 Euro.

Kein Wunder also, dass die immer wieder aufflammende Debatte, – ob losgetreten von Bankern oder Politikern –, über die Sinnlosigkeit des Bargeldes in Zeiten der Digitalisierung oder eine teilweise Abschaffung, etwa von Ein-Cent-Stücken oder des 500-Euro-Scheines, in der Bundesrepublik auf Ablehnung stößt. Zumindest im Bezug auf die größte Banknote hat das nichts genützt, die EZB stellt die Produktion bald ein.

Nun kann man darüber streiten, ob 500-Euro-Scheine nur eine Erleichterung für die organisierte Kriminalität oder doch eine sinnvolle Sache sind, um größere Bargeldbestände platzsparend unterzubringen. Was jedenfalls nicht geht ist, dass an Tankstellen und Geschäften der Zettel hängt, 500er nehme man nicht an – ein gesetzliches Zahlungsmittel sollte stets Zahlungsmittel sein, egal wo. Über die Abschaffung jedenfalls dürften sich sinnigerweise besonders Kreditinstitute ärgern. Schließlich horten die aus Angst vor den Strafzinsen der EZB so viel Bargeld in ihren begrenzt vorhandenen Tresoren wie nie. Das geht mit 500er-Scheinen natürlich am besten.

Und da sind wir bei Argumenten für das Bargeld. Dadurch können wir von anderen veränderte Rahmenbedingungen umgehen. Wenn entgegen aller Ankündigungen auch private Sparer auf ihren Konten Negativzinsen zahlen müssten, also Geld verlieren, hilft der Sparstrumpf. Ohne Bargeld ist man ausgeliefert. Bares erleichtert die Haushaltsführung. Während Amerikaner  mit diversen Kreditkarten wie wild konsumieren, behalten Deutsche lieber den Überblick. Das geht mit Bargeld, das Stück für Stück aus dem Portemonnaie verschwindet, besonders gut.

Zudem gibt es noch die Datensouveränität. Wann wir wo bei wem was gekauft haben, lässt sich mit per Datenspur von Finanzdienstleistern, vom Staat oder Hackern nachvollziehen. In China verbreitet sich das Bezahlen per Handy-App. Weil es so bequem ist. Die Parteiführung hat den heimischen Anbietern auferlegt, im Zweifelsfall dem kommunistischen Staat alles offenzulegen. Weitergedacht kann das heißen: Wer sich zu oft kritisch äußert, bekommt eine Kontensperre. Oder: Für Übergewichtige wird der Schokoladen-Kauf unmöglich. Undenkbar? Bei Abschaffung des Bargeldes mitnichten.

Ja, das Drucken und Verteilen von Bargeld kostet Geld. Die Zentralbank genauso wie die kleinste Sparkasse. Aber: Wir sind als Bürger nicht dazu da, Staat und Bankengewerbe das Leben zu erleichtern. Geld ist Schmierstoff der Wirtschaft, in Geld werden wir bezahlt. Es muss in der Form zur Verfügung stehen, die wir wollen. Bargeld heißt Freiheit. Und die dürfen wir uns nicht nehmen lassen.

leitartikel@swp.de

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