Leitartikel Leitartikel zu 100 Jahre Ufa

Boris Kruse
Boris Kruse © Foto: Gerd Markert
Berlin / Boris Kruse 27.12.2017
Vom Propagandaapparat in zwei Weltkriegen bis zur trendkonformen Ideenschmiede mit einem Hang zur seichten Unterhaltung.

Ist es am Ende mehr verblichener Glanz als echte Substanz? Die Filmproduktionsfirma
Ufa ist in diesem Dezember
100 Jahre alt geworden, und ­natürlich wird dieser Anlass ­allerorten gebührend gefeiert – in Zeitungen und Magazinen, mit Ausstrahlungen alter Klassiker und mit einer eigenen Ausstellung im Berliner Museum für Film und Fernsehen. In den Würdigungen ist auffallend oft die Rede von den wohlbekannten Groß­taten aus den 20er und 30er Jahren – Fritz Lang und „Metropolis“, Marlene Dietrich und „Der blaue Engel“, Heinz Rühmann und „Die drei von der Tankstelle“. Die Ufa-Standorte in Potsdam-Babelsberg, Tempelhof und ­Adlershof waren damals in Schlag­distanz, zum Teil sogar auf Augen­höhe mit der noch jungen Traum­fabrik ­Hollywood.

Das aber war eine kurze Ära, gerechnet auf 100 Jahre. Es folgte – und auch daran wird dieser Tage ausgiebig erinnert – das dunkle Kapitel Nationalsozialismus. Mit dem Propagandaminister Joseph Goebbels als faktischem Executive Producer, mit antisemitischen Filmen wie „Jud Süß“ und Durchhalte-Kriegskino wie „Kolberg“. Man sollte darüber nicht verwundert sein. Der Hang zum Staatstragenden war der Ufa seit ihrer Gründung in die DNA geschrieben. Schließlich war es die Oberste Heeresleitung im Kaiserreich, die die Universum Film AG am 18. Dezember 1917 als Propa­gandainstrument im Ersten Weltkrieg aus der Taufe heben ließ. General ­Erich Ludendorff erhoffte sich von dem modernen Medium „die planmäßige Beeinflussung der Massen im Inland“. Bis heute gilt: Ufa-Autoren waren niemals Denkmalstürzer oder Bilderstürmer, ihre Produktionen waren immer affirmativ.

Historische Stoffe nehmen noch immer einen wichtigen Rang bei der Ufa ein. Neueren Produktionen wie „Unsere Mütter, unsere Väter“ (2013) über ganz normale Menschen im Zweiten Weltkrieg wird nicht zu Unrecht vorgeworfen, dass sie die Vergangenheit verharmlosen, dass sie das Zeitkolorit als Tapete für eine gefühlige Aussöhnung mit der Tätergeneration nutzen. Seichte Unterhaltungsformate wie das aus dem britischen Fernsehen übernommene „Bauer sucht Frau“ wiederum sind eher nicht Grimme-Preis-verdächtig.

Vom Propaganda-Apparat in zwei Weltkriegen bis zur trendkonformen Ideenschmiede mit einem Hang zur seichten Unterhaltung war es vielleicht doch kein allzu weiter Weg. Daran ändern auch ein langwieriger Reprivatiserungsprozess sowie mehrere Umstrukturierungen nichts.

Mit rund 1000 Stunden Film- und Fernsehmaterial im Jahr ist die Ufa heute die größte deutsche Filmproduktionsfirma. Aber der Nimbus ist dahin. Die Ufa ist einfach ein potenter Mitbewerber auf einem hart umkämpften Markt, auf dem sich Bekenntnisse zur Filmkunst die Wenig­sten erlauben können.

Den Ufa-Kreativen daraus einen Vorwurf zu machen, wäre naiv. Der langjährige Geschäftsführer Wolf Bauer geht damit offen um: „Ganz ehrlich: Für die Kritiker machen wir unsere Programme definitiv nicht.“ Das ist zu sehen. Wem es nicht gefällt, der schalte einfach ab.

leitartikel@swp.de

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