Im Streit um die Zukunft der Krim, der östlichen Ukraine und anderer Regionen, die Wladimir Putins neoimperialistischem Expansionismus noch zum Opfer fallen könnten, ist Obama allerdings nur noch in der Rolle eines Statisten. Er wirkt hilflos wie selten zuvor. Auf fieberhafte und ebenso naive diplomatische Anstrengungen folgten zunächst völlig harmlose, dann schärfere Sanktionen, die aber ebenso wirkungslos verpuffen werden. Putin und seine Oligarchen gehen unbeirrt ihren Weg und halten den amerikanischen Präsidenten, der am deutlich kürzeren Hebel sitzt, faktisch zum Narren.

Innenpolitisch wird Obama von seiner eigenen Fehleinschätzung eingeholt: Wenige Wochen vor der letzten US-Wahl machte er sich über seinen republikanischen Gegner Mitt Romney lustig, weil dieser Russland als die größte geopolitische Bedrohung für die USA und deren Verbündeten bezeichnet hatte. Heute lacht niemand mehr über diese Analyse und die Republikaner sehen sich in ihrer Überzeugung bestärkt, dass der Präsident ein blauäugiger und ebenso ungeschickter Außenpolitiker ist, der auf dem globalen Parkett immer wieder ausrutscht.

Obamas Position der Schwäche hat mehrere Ursachen. Sie nahm ihren Anfang, als NSA-Maulwurf Edward Snowden nach Russland flüchtete und sich unter die Obhut Putins begab. Der Kremlchef weiß sehr genau, dass er mit dem ehemaligen US-Geheimdienstler und seinem Wissen über die Aktivitäten der NSA eine wichtige Trumpfkarte hält. Nicht zuletzt deshalb belässt es das Weiße Haus bei vorwiegend symbolischen Sanktionen, von denen die wichtigsten Mitglieder in Putins Oligarchen-Klub ohnehin verschont bleiben. Dass sich der Präsident vorbehält, künftig Maßnahmen zu verhängen, die den russischen Energiesektor und die Finanzbranche treffen würden, ist nicht nur wegen des Snowden-Faktors kaum mehr als eine leere Drohung. Zudem bedrängen Obama US-Multis, die mit Moskau glänzende Geschäft machen. Flächendeckende Wirtschaftssanktionen würden deshalb auf erheblichen Widerstand stoßen.

Vor diesem Hintergrund hinkt auch der Vergleich zwischen der Krim-Krise und den Jahrzehnten des Kalten Kriegs. Von der Jaltakonferenz bis zum Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Warschauer Pakts handelte es sich um einen von militärischen Drohungen geprägten Konflikt. Die Russen haben keine Raketen auf Kuba stationiert und weder Moskau noch Washington fühlen sich von den Atomwaffen des anderen bedroht. Die heutige Waffen beschränken sich auf Einreisebeschränkungen und Wirtschaftssanktionen. Gemeinsam ist beiden Konflikten hingegen die zentrale Rolle Europas und dabei speziell Deutschlands, auf dessen Rat Obama aufmerksamer hört als jemals zuvor.

So handelt es sich zur Zeit um einen ungleichen Kampf, bei dem der gewiefte Stratege Putin der eindeutig Überlegene ist, solange Obama und mit ihm der Westen nicht bereit ist, der Aggression des Kremlfürsten militärische Gewalt entgegenzusetzen.

Doch niemand sollte den Friedensnobelpreisträger Obama frühzeitig als sicherheitspolitischen Zauderer und Zögerer abtun. Der massenweise Einsatz von Drohnen und die gezielte Tötung Terrorverdächtiger beweist, dass Obama sehr hart zuschlagen kann, wenn US-Interessen direkt betroffen sind. Das weiß auch Putin. Die Annektion weiterer ehemaliger Sowjetrepubliken - zumal wenn es sich um Nato-Mitglieder handelt - wäre auch unter einem vermeintlich schwachen US-Präsidenten der direkte Weg in den Krieg.