LEITARTIKEL · KLIMAKONFERENZ: Global fatal

MARTIN HOFMANN 25.11.2013

Supertaifune wie Haiyan mit seinen verheerenden Folgen allein auf den Klimawandel zurückzuführen, ist nicht haltbar. Dazu ist das Wettergeschehen zu komplex. Daraus aber abzuleiten, Dürren, Extremregenfälle und Sturmereignisse gehörten zu normalen Klimaschwankungen, hieße, den Kopf in den Sand stecken.

Doch genau auf diesem Trip wandeln die Klimakonferenzen. Als sie starteten, war Konsens, dass das Verbrennen fossiler Rohstoffe Folgen hat. Denn riesige Mengen an Wärmeenergie und Kohlenstoff werden zusätzlich in die Erdatmosphäre geblasen. Zugleich galt als besorgniserregend, dass die Wälder als Kohlenstoffspeicher enorm reduziert werden und den Erwärmungsprozess noch beschleunigen.

Und zwei Jahrzehnte später? Die Menschheit hat Techniken entwickelt, Energie so umweltfreundlich zu erzeugen, dass sie die Erdatmosphäre nicht weiter aufheizt und die Atemluft sauber hält. Auf die Ausbeutung der Erdkruste samt Folgeschäden kann man weitgehend verzichten. Das dient auch dem Erhalt von Naturräumen und Artenvielfalt. Energie lässt sich mittlerweile zudem weitaus effizienter einsetzen. Dies gelingt mittlerweile zu Kosten, die zur Stromerzeugung aus Kohle, Öl, Gas und Uran konkurrenzfähig sind. Freilich bedarf dieser Umstieg noch großer Anstrengungen wie das Speichern erneuerbar gewonnenen Stroms. Doch intelligente Lösungen zeichnen sich ab.

Im Gegensatz zu vielen ihrer Bürger können die heutigen Politiker auf diesem Globus dem Aufbruch in ein ressourcenschonendes Zeitalter nicht mehr viel abgewinnen. Statt die Chancen zu erkennen, warten sie ab nach dem Motto: Wer sich in die Richtung bewegt, könnte kurzfristig verlieren. Sie folgen lieber den Lobbyisten, die sich öffentlich gern als Modernisierer geben, aber jedes Risiko scheuen, das unvermeidbar zu diesem Umbau der Industriegesellschaft gehört und bei Augenmaß beherrschbar ist. Wie in einem Brennglas verdichtet sich dieses Verhalten auf Klimagipfeln. Statt als Weltinnenpolitiker zu agieren, ergehen sich die Regierungen in Wenn und Aber, die nur der Furcht geschuldet sind, der Nachbarstaat könne sich einen Vorteil verschaffen. Beispiele: Die USA, die sich Umbauzielen für die Energieproduktion verweigert haben, pressen ohne Rücksicht auf ihre Wasserressourcen die letzten fossilen Brennstoffe aus ihren Böden. Sie können Ziele zur CO2-Reduktion auch künftig nicht gutheißen. China baut zwar die Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen intensiv aus und wittert bei Solarmodulen zu Recht ein gigantisches Geschäft. Von anderen Staaten lässt sich das kommunistische Regime aber nicht vorschreiben, wie lange noch Kohle verfeuert werden soll. Die EU-Staaten können sich nicht mehr darauf einigen, ob sie dem neuen Pfad der Energieerzeugung folgen wollen. Ein Blick nach Deutschland - dem wirtschaftlich stabilsten Staat - gibt ihnen ein Beispiel des Zauderns und Zögerns. Dabei müsste die Bundesregierung vor allem den Strommarkt regulieren. Denn in der Übergangszeit zur vollständigen dezentralen Energieerzeugung dürfen zentrale Strukturen nicht zu früh geschleift werden.

Kein Wunder, dass Industrie- und Schwellenländer genug Gründe vorbringen, um ihre Klimaschutzhände in den Schoß zu legen. Doch ist die Halbwertszeit dieses Kurses kürzer als drei, vier Generationen. Katastrophen ändern zudem wenig am Globalfatalismus der Staatenlenker und ihrer Ratgeber, der auf Machterhalt fixiert ist. Die Folgen treffen vor allem Arme. Dabei passt der Weg der Ressourcenschonung am besten zu deren Lebensstil. Es ist sinnvoll, ihnen das komplette schmutzige Industriezeitalter samt hoher Reparaturkosten zu ersparen. Sie haben schon genug davon.