Wenn sich im September die Aulen und Klassenzimmer wieder füllen, wird jedenfalls auch der Wahlkampf Einzug halten - und die Frage aufwerfen, wie es bildungspolitisch weitergehen könnte und sollte nach der Wahl im März 2016.

Inklusion, Realschulen: Grün-Rot hat zuletzt noch wichtige Gesetze auf den Weg gebracht. "Aus einem Guss" war das aber nicht, was in den vergangenen vier Jahren geboten wurde. Personell und handwerklich ging vieles drunter und drüber - es musste schon ein totaler Neustart unter Kultusminister Andreas Stoch (SPD) her, um das Ruder herumzureißen. Am krassesten war der Kurswechsel beim Thema Lehrerstellen: Glaubte man anfangs, all die Reformen anpacken und nebenbei 11.000 Stellen streichen zu können, ist die 180-Grad-Wende erfolgt: Nun gibt es stattdessen 1000 Stellen mehr. Die Einsicht, dass man das Gemälde einer schönen neuen Bildungswelt nicht mit dem Rotstift zeichnen kann, kam spät - aber sie kam.

So steht Grün-Rot ganz gut da. Die Gemeinschaftsschulen sind akzeptiert, der Ausbau der Ganztagsschulen und der Inklusion rollt an, die Realschulreform auch. Das Gymnasium ließ man weitgehend in Ruhe, die Kommunalverbände hat man bei alldem ins Boot bekommen. Die Puzzleteile passen inzwischen besser zusammen.

Der Opposition aber muss eines besonders zu denken geben: Die grün-roten Reformen haben die Schullandschaft derart umgewälzt, dass sie kaum mehr zurückzudrehen sind. Sie gleichen einer Lawine, die sich nicht mehr stoppen lässt: Weil die Eltern sie ablehnen, sterben hunderte Hauptschulen einen leisen Tod, in der Fläche werden Fakten geschaffen. Gewinner sind meist Gemeinschaftsschulen. Das dreigliedrige Schulsystem, ein CDU-Heiligtum, ist kollabiert wie ein Kartenhaus. Erstaunlich auch, dass diese Umbrüche recht geräuschlos passierten - während auf einem Nebenschauplatz ideologische Wogen um "sexuelle Vielfalt" im Bildungsplan hochschlugen.

Falls die CDU die Macht zurückerobert, werden ihre Bildungspolitiker ein verändertes Land vorfinden, das nicht mehr zu ihrer DNA passt. Das merkt man. Die CDU übt zwar lauthals Kritik an jedem grün-roten Projekt - doch hinter der Rhetorik klafft eine seltsame Leere, was eigene Konzepte angeht. Da wird der "Schlingerkurs" beim acht- oder neunjährigen Gymnasium gerügt - wie es die CDU selbst halten will, verrät sie aber nicht: Von "Wahlfreiheit" ist da vage die Rede, man müsse das "in aller Ruhe entscheiden", sagt Spitzenkandidat Guido Wolf. Was aus den Gemeinschaftsschulen werden soll: unklar. Die verbindliche Grundschulempfehlung wieder einführen? Mal sehen.

Zugegeben, die Lage ist schwierig: Jede Festlegung würde Kritiker produzieren - nämlich all jene, die sich mit den Reformen gut arrangieren. Eine Komplett-Rückkehr zu G8 würde die Wähler verschrecken, die den G9-Angeboten im Land die Türen einrennen. Den Eltern Wahlfreiheiten wieder zu nehmen, wäre in keinem Fall ein kluger Schachzug.

Es ist schwer, gegen die normative Kraft des Faktischen Wahlkampf zu betreiben. Unmöglich ist es nicht - man müsste halt wissen, was man will, und sich trauen, es zu sagen. Doch falls die CDU Konzepte hat, die Bildungs-Zukunft im Land zu gestalten, gelingt es ihr derzeit noch exzellent, diese geheim zu halten. Eine Frage, die sich nach den Ferien dringend stellt, lautet daher auch: Kommt da noch was?

Falls die CDU Konzepte hat, hält sie diese noch geheim.

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