Leitartikel Lehrermangel kann und muss behoben werden

Deutschland hat jetzt die Chance, den Lehrernotstand zu beheben, sagt unser Hauptstadtkorrespondent Mathias Puddig.
Deutschland hat jetzt die Chance, den Lehrernotstand zu beheben, sagt unser Hauptstadtkorrespondent Mathias Puddig. © Foto: Thomas Koehler/ photothek.net
Berlin / Mathias Puddig 28.08.2018
Deutschland gehen die Lehrer aus. Der Milliardenüberschuss des Staates bietet die Chance, diese Lücke zu schließen.

Deutschland steuert auf einen Abschwung zu. Nicht um die Wirtschaft muss sich das Land Sorgen machen, sondern um die Bildung. Schon jetzt werden vielerorts Schülerinnen und Schüler in verfallenden Gebäuden und mit jahrzehntealten Lehrbüchern unterrichtet. Allzu oft stehen vor ihnen Quereinsteiger, die zwar motiviert, aber pädagogisch kaum vorbereitet sind. Trotzdem fallen immer noch viele Stunden aus. Und das ist erst der Anfang.

Wenn eintrifft, was seit Monaten eine Studie nach der anderen prophezeit, steht Deutschland vor einem gigantischen Lehrermangel. Den Schülern und ihren Eltern sind diese Zustände längst bekannt. In Umfragen gehört die Bildung ohnehin zu den Themen, die den Deutschen am meisten auf den Nägeln brennen. Seit einigen Wochen macht das Wort vom Bildungsnotstand aber auch bei führenden Politikern die Runde. Wenn auch nur die Hälfte von ihnen ernst meint, was sie da sagt, dann ist jetzt die Chance gekommen, das große Rad zu drehen, auch finanziell.

Es gibt genug Ideen

 Denn es gibt eine gute Nachricht: Der Lehrermangel ist kein Naturgesetz, man kann ihm entgegentreten. Ideen gibt es reichlich. Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat schon im Januar vorgeschlagen, als Sofortmaßnahme Teilzeitkräfte zu motivieren, mehr und länger zu arbeiten. Gute Erfahrungen sind in den Ländern auch damit gemacht worden, Lehrer aus dem Ruhestand zurückzuholen. Längerfristig könnte der Numerus Clausus für Lehramtsstudiengänge abgeschafft werden.

Wieder und wieder wird zudem dafür geworben, den Lehrerberuf attraktiver zu machen, indem die Pädagogen besser und vor allem bundesweit einheitlich bezahlt werden. Dass keiner von ihnen über die Sommerferien in die Arbeitslosigkeit entlassen wird, sollte sich eigentlich von selbst verstehen.

 Sicher, keine dieser Ideen ist perfekt. Einige sind praktikabler, andere sind schneller umzusetzen, wieder andere dafür nachhaltiger. Und sie alle kosten richtig viel Geld. Erst am Wochenende hat Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, die Summe von 118 Milliarden Euro für die nächsten zehn Jahre genannt.

Geld muss ankommen

Darin enthalten sind 40 Milliarden für zusätzliche Lehrer und etwa zehn Milliarden für weitere Erzieher und Sozialarbeiter. Angesichts der fünf Milliarden Euro, die insgesamt für den Digitalpakt Bildung vorgesehen sind, erscheint diese Summe geradezu ungehörig. Doch das ist sie nicht. Das zeigt der Blick auf die deutschen Bildungsinvestitionen. Egal, ob man Grundschulen, weiterführende Schulen oder Universitäten betrachtet – überall liegen die Ausgaben unter dem OECD-Schnitt.

Der Milliardenüberschuss öffentlicher Haushalte bietet die Chance, diese Lücke zu schließen. Natürlich muss das Geld auch an den richtigen Stellen ankommen; dafür braucht es eine Bestandsaufnahme. Dass aber zu viel investiert wird, steht kaum zu befürchten. Zu viele Lehrer, die in zu hoher Qualität unterrichten, hat bislang noch niemand beklagt.

leitartikel@swp.de

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