Kommentar Kommentar zu Lebenskrisen im Job: Ins Gespräch kommen

Hajo Zenker Märkische Oderzeitung
Hajo Zenker Märkische Oderzeitung © Foto: Gerd Markert
Berlin / Hajo Zenker 15.09.2017
Privatleben hat im Job nichts zu suchen, heißt es. Doch wenn Lebenskrisen die Leistungsfähigkeit berühren, sollten Chefs sensibel reagieren. Ein Kommentar von Hajo Zenker.

Eine Lebenskrise ist nicht unbedingt ein Thema, das man mit seinem Chef erörtern möchte. Dennoch wird dieser darauf zu sprechen kommen. Wenn er ein guter Chef ist und erkennt, dass sein Mitarbeiter gerade nicht er selbst ist und Hilfe braucht. Denn wem der Partner gestorben ist, wer gerade sein Kind in der Krebsbehandlung hat, wird kaum einen klaren Gedanken für die Arbeit finden.

Dass es hier nicht um ein Randthema geht, zeigen die Zahlen. Psychische Erkrankungen nehmen seit Jahren zu. Und angesichts der demografischen Entwicklung ist klar: Mehr Ältere im Betrieb heißt auch mehr Lebenskrisen im Betrieb. Die AOK-Umfrage hat übrigens gezeigt, dass es gerade die kleinen Unternehmen mit unter zehn Mitarbeitern sind, in denen bisher besondere Sprachlosigkeit herrscht. Das mag mit eher rustikalen Umgangsformen im Handwerk zu tun haben. Aber auch dort wird man um mehr Sensibilität nicht herumkommen. Menschliche Krisen können auch zu wirtschaftlichen Krisen werden. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Schließlich dauern Krankschreibungen wegen psychischer Probleme besonders lange.