Landwirtschaft Landwirtschaftsminister Schmidt kündigt neuen Anlauf für Tierwohl-Siegel an

Michael Gabel 04.01.2018
In der vorigen Legislaturperiode hat es nicht geklappt. Jetzt will Agrarminister Schmidt (CSU) einen neuen Anlauf für ein staatliches Tierwohlsiegel unternehmen.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) startet einen neuen Versuch zur Verbesserung der Tierhaltung in der konventionellen Landwirtschaft. Bei den Sondierungen mit der SPD werde die Einführung eines staatlichen Tierwohl-Siegels Thema sein, sagte er in Berlin. Schon vor einem Jahr hatte er angekündigt, mit einem neuen Label Landwirte zur besseren Haltungsbedingungen bewegen zu wollen – zunächst bei Schweinen. Die Beteiligung wäre freiwillig gewesen; die Landwirte hätten vom Handel aber mehr Geld bekommen. Das Vorhaben scheiterte unter anderem, weil die Zeit zu knapp wurde, um mit dem Koalitionspartner SPD Details auszuhandeln.

Bei der Vorstellung des Ernährungsreports 2018 verwies der CSU-Politiker darauf, dass nach einer beim Umfrageinstitut Forsa in Auftrag gegebenen Studie 90 Prozent der Verbraucher bereit wären, einen Aufpreis zu zahlen, „wenn die Tiere besser gehalten werden, als es das Gesetz vorschreibt“. Als erfreulich wertete der Minister auch, dass 72 Prozent der Deutschen täglich frisches Obst und Gemüse zu sich nehmen. „Je älter, desto gesundheitsbewusster“ ernähren sich die Menschen, heißt es im Report.

Schmidt wies darauf hin, dass aber in der Gruppe der unter 18-Jährigen nur 80 Prozent der Befragten angaben, dass gesunde Ernährung wichtig sei. Bei den über 60-Jährigen waren es 96 Prozent. Der Minister forderte erneut, dass Ernährung Schulfach werden solle; dies umzusetzen sei aber Ländersache.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock kritisierte, dass Schmidt bei der Ernährungsbildung statt Taten „seit Jahren nur schöne Worte“ finde. Die Einführung eines Tierwohllabels begrüßte sie, forderte aber, dass es für Landwirte verpflichtend sein müsse. „Das Label ist überfällig. Es darf aber nicht nur ein Symbol sein, sondern die Verbraucher müssen sich darauf verlassen können, dass die Tierhaltung eine neue Qualität erreicht“, sagte sie der SÜDWEST PRESSE.