Museen Kunst für alle durch freien Eintritt in Museen

Museen für alle öffnen, fordert Jürgen Kanold.
Museen für alle öffnen, fordert Jürgen Kanold. © Foto: dpa
Ulm / Jürgen Kanold 01.12.2017

Mal kurz in der Mittagspause sein Lieblingsbild anschauen: Sehnsuchtslandschaft statt Büro-Tristesse. Sich mit Freunden auf ein Bier verabreden und nebenbei über gar nicht so trockene Kunst reden? Die Familienfeier mit einem Ausstellungsbesuch auflockern? Leckeren Kuchen essen und danach mit Appetit Eat-Art verdauen? Das Museum als offener, kultiger Begegnungs- und Zufluchtsort. Schöne Sache, wenn da nicht meist die lästige Bezahlschranke wäre. Wer fünf, zehn oder mehr Euro hinlegen muss für den Eintritt, plant das Museum wie einen Kinobesuch. Und wer nur ein kleines Budget für die Kultur hat, überlegt sich das sowieso zweimal.

Kunst für alle? Ja, klar. Dass die öffentliche Hand nicht in der Lage ist, auf einem irrwitzigen Markt für hunderte von Millionen Euro Gemälde zu kaufen, damit sie nicht in den Tresoren der Superreichen verschwinden, versteht sich von selbst. Aber was der Staat und die Städte besitzen – und es sind in den Museen unseres Landes immense Schätze –, das sollte das Volk ohne Eintrittsgeld bewundern dürfen. Der Bildungsauftrag, sehr ernst genommen.

Das Thema kocht immer wieder hoch. Angesichts der Tatsache, dass bei Hauptstadtflughäfen oder tiefer zu legenden Hauptbahnhöfen offenbar ein paar Steuerzahler-Milliarden mehr oder weniger keine so große Rolle spielen, könnte man die Debatte freilich schnell beenden. Für 2,5 Millionen Euro im Jahr wäre es etwa möglich, dass die Bürger die zwölf staatlichen Museen in Baden-Württemberg kostenlos besuchen könnten. Und dass sie das zu sehen bekommen, was die Häuser sowieso mit Steuerzahler-Geld für uns und die Nachwelt sammeln und bewahren.

Es geht nicht um die Blockbuster-Ausstellungen, die mittlerweile die öffentliche Wahrnehmung beherrschen: Matisse/Bonnard im Frankfurter Städel oder Klee in der Fondation Beyeler, das sind Highlights, für die Kunstfreunde widerstandslos 14 oder bei den Schweizern sogar 25 Euro bezahlen. Angesichts astronomischer Versicherungskosten für Top-Bilder mag das gerechtfertigt sein.

Dauerausstellungen aber, ständige Sammlungen – sie gelten als nicht so sexy. Was oft ein Irrtum ist. Ein Gratis-Eintritt jedenfalls würde das Image der Museen, ihren Anspruch, nicht entwerten. Im Gegenteil. Die Tate Modern in London etwa zieht die Menschen magnetisch an, begeistert für zeitgenössische Kunst. In Deutschland leuchtet das Essener Folkwang-Museum als herausragendes Beispiel: Seit die Krupp-Stiftung freien Eintritt ermöglicht, haben sich die Besucherzahlen vervielfacht. Das Landesmuseum Württemberg zieht jetzt zumindest ein Jahr lang nach: freier Eintritt, weil Mäzen Reinhold Würth und der Förderverein zusammen 160.000 Euro sponsern.

Wobei Milliardär Würth, der Privatsammler, in seiner Kunsthalle in Schwäbisch Hall grundsätzlich keinen Eintritt verlangt – und einen wahren Besucherboom ausgelöst hat. Aber nicht nur bei sparsamen Schwaben reißt freier Eintritt Barrieren nieder. Kunst für alle, alle für die Kunst!

leitartikel@swp.de

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