Im Westen wächst nach der Annexion der Halbinsel Krim die Sorge vor neuen Gebietsansprüchen Russlands. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte vor einer Ausweitung der Krise und drohte Moskau mit schärferen Sanktionen. Im ostukrainischen Donezk forderten gestern tausende Menschen ein Referendum über eine Abspaltung, viele unterzeichneten Probestimmzettel.

Steinmeier zeigte sich nach einem Besuch in Kiew und Donezk beunruhigt. "Sollte Russland über die Krim hinausgreifen, werden wir in Europa einschneidende Maßnahmen beschließen, selbst wenn wir hierfür wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen müssen", sagte er der "Welt am Sonntag".

Für zusätzliche Unruhe in der Ukraine sorgten gestern Spekulationen über eine Konzentration russischer Streitkräfte an der Grenze. Das russische Verteidigungsministerium wies die Berichte zurück und verlangte vor allem von den USA, die Lage nicht weiter anzuheizen. Russland halte sich an alle internationalen Vereinbarungen.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) startete am Wochenende die lange erwartete internationale Beobachtermission in der Ukraine. Die Experten sollen kontrollieren, ob der Schutz von Minderheiten gewährleistet ist und es Anzeichen für Interventionen von außen gibt. Auf die Krim dürfen sie jedoch nicht, da Russland die Halbinsel nun als russisches Territorium betrachtet.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen setzt unterdessen auf eine starke Rolle der Nato. "Jetzt ist für die Bündnispartner an den Außengrenzen wichtig, dass die Nato Präsenz zeigt", sagte die CDU-Politikerin dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Die aktuelle Lage spiegelt klar, dass die Nato nicht nur ein militärisches, sondern auch ein politisches Bündnis ist."

Die Krise dominiert auch den internationalen Gipfel zur nuklearen Sicherheit, der heute in Den Haag beginnt. US-Präsident Barack Obama hat am Rande ein Treffen der sieben führenden Industriestaaten einberufen. Russland ist zum ersten Mal seit seinem Beitritt zu der Runde 1998 nicht eingeladen. Die Staats- oder Regierungschefs der G 7 wollen bestätigen, dass die Gruppe der G 8 wegen der Annexion der Krim bis auf Weiteres nicht mehr existiert.

Politische Muskelspiele