USA Kriegsheld und Parteirebell

John McCain erlag einem aggressiven Gehirntumor.
John McCain erlag einem aggressiven Gehirntumor. © Foto: Sven Hoppe/dpa
Washington / Peter De Thier 27.08.2018

13 Monate lang hatte er mit einem Gehirntumor gerungen, nun hat John McCain, Kriegsheld, langjähriger Senator, profilierter Transatlantiker, zweifacher Präsidentschaftskandidat, Trump-Kritiker und unverwüstliche Kämpfernatur, seine größte Schlacht verloren. Er zählte zu den US-Politikern, die den Respekt aller Kollegen genoss. Auch deutsche  Politiker würdigten ihn. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) nannte den Tod des 81-Jährigen einen „schweren Verlust für die Weltgemeinschaft“. Deutschland verliere in ihm „eine Stütze der deutsch-amerikanischen Beziehungen“.

Bekannt wurde McCain während des Vietnam-Kriegs. Der Marineflieger wurde beim Angriff auf ein Wasserkraftwerk in der Nähe von Hanoi abgeschossen und verbrachte fünf Jahre in dem berüchtigten Kriegsgefangenenlager Hanoi Hilton. Dort wurde er so schwer gefoltert, dass er permanente Behinderungen davontrug. Die von den Nordvietnamesen angebotene, vorzeitige Freilassung verweigerte er. Der junge Offizier wollte vermeiden, dass er anstelle anderer Gefangener frei kam und seine Freilassung als Propaganda missbraucht wurde.

Wenige Jahre nach seiner Rückkehr aus Vietnam wurde der Kriegsheld ins Repräsentantenhaus gewählt und vertrat mehr als 30 Jahre lang seinen Heimatstaat Arizona im US-Senat. Sehr schnell machte er sich einen Namen als Querdenker. Er stellte seine Überzeugungen über die Parteilinie. Stets war der Republikaner um Kooperation mit demokratischen Gegnern bemüht und freundete sich unter anderem eng mit der Senatskollegin Hillary Clinton an.

McCains Positionen waren größtenteils gemäßigt. Er lehnte zunächst militärischen Interventionismus ab, nahm später aber hiervon Abstand. Während des Jugoslawienkriegs brachte er eine Gruppe Republikaner zusammen, die den US-Einsatzplänen zustimmten. 2003 votierte er für den umstrittenen Irakkrieg.

Im Jahr 2000 scheiterte McCain bei den Präsidentschaftsvorwahlen. Acht Jahre später unterlag er dem demokratischen Senkrechtstarter Barack Obama. Zuletzt profilierte sich McCain als einer der vehementesten Gegner Präsident Donald Trumps. Schockiert war seine Partei, als er zu später Stunde die entscheidende Stimme abgab, die Trumps Versuch blockierte, Obamas Gesundheitsreform zu kippen. Trotzdem feierten ihn Vertreter beider Lager mit einer stehenden Ovation. Zum Abschied hatte er nur einen Wunsch: Dass Trump an seinem Staatsbegräbnis nicht teilnehmen werde

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