Die Kritik an der AfD wird härter. Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) sprach der AfD ab, eine demokratische Partei zu sein. Die Partei mache Wahlkampf auf dem Rücken der Flüchtlinge "in einer Weise, die inzwischen völlig unerträglich ist". Die Aussage von AfD-Chefin Frauke Petry, deutsche Grenzen im Notfall auch mit Schüssen auf Flüchtlinge zu sichern, habe die Partei endgültig entlarvt. "Das ist schlichtweg menschenverachtend und unerträglich und widerwärtig." Petry hatte mit ihrer Äußerung einen Proteststurm ausgelöst.

Petry griff ihrerseits am Dienstag die Medien an. Dem "Mannheimer Morgen" warf sie eine "verkürzte und völlig sinnentstellte" Wiedergabe ihrer Worte vor. "Man wollte die Schlagzeile produzieren, dass die AfD auf Flüchtlinge schießen will", sagte die AfD-Bundesvorsitzende in Dresden. Das habe aber niemand gesagt.

Der Chefredakteur des "Mannheimer Morgen", Dirk Lübke, wies den Vorwurf zurück, der AfD-Chefin die Worte in den Mund gelegt zu haben. "Die perfide Tabu-Brecherin Petry stilisiert sich gerade zum kleinen, ahnungslosen Mädchen, das nicht wusste, was es gesagt hat", sagte Lübke auf Anfrage.

Ihre Führungsrolle in der eigenen Partei sieht Petry nicht in Frage gestellt. "Ich stehe da, wo ich stehe und ich glaube, ich habe ausreichend Unterstützung hinter mir", sagte sie in Dresden: "Sehe ich so aus, als sei ich unter Druck?" Auf einer Schaltkonferenz des Bundesvorstandes habe es "keine Tagesordnungspunkte zur Amtsführung" gegeben. Die 40-Jährige bezog sich auf einen Bericht der "Bild-Zeitung, wonach die AfD bereits nach einer Alternative für Petry suche.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) mahnte eine inhaltliche Auseinandersetzung an. "Wir müssen zu Kenntnis nehmen, dass die AfD Sorgen weiter Teile der Bevölkerung thematisiert", sagte er.

Im Streit um eine Rede von AfD-Chefin Frauke Petry im Augsburger Rathaus könnten Richter das letzte Wort haben. Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) sagte, dass er den für Freitag kommender Woche geplanten Auftritt der AfD-Bundesvorsitzenden mit allen rechtlichen Mitteln verhindern will. Derzeit werde ein Verbot des AfD-Neujahrsempfangs oder ein Hausverbot für Petry geprüft.