PETER MLODOCH Auch Christoph Dahl, früherer Regierungssprecher im Land, sollte Sponsoren für die "Nord-Süd-Dialoge" einwerben. Doch Dahl lehnte das offenbar ab.

Sponsorensuche für die "Nord-Süd-Dialoge"? Das hat der damalige Regierungssprecher in Baden-Württemberg, Christoph Dahl, offenbar nicht als Aufgabe angesehen. "Der hat das strikt abgelehnt", sagte am Dienstag eine Zeugin im Korruptionsprozess gegen Olaf Glaeseker, den Ex-Regierungssprecher des früheren niedersächsischen CDU-Ministerpräsidenten Christian Wulff. In seiner Funktion habe Dahl keinesfalls Firmen ansprechen dürfen und wollen, schilderte die frühere Mitarbeiterin des mitangeklagten Eventmanagers Manfred Schmidt vor dem Landgericht Hannover. "Das war für ihn ein No-Go."

Weil Glaeseker diese Grenzen bei der umstrittenen Veranstaltungsreihe von 2007 bis 2009 nicht gezogen hat, ist er angeklagt. Bestechlichkeit wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, weil Schmidt ihn als Gegenleistung zum - von Glaeseker unbestrittenen - Einwerben von mehreren hunderttausend Euro Sponsorengeld zu Urlauben eingeladen haben soll. Auch die Ferien leugnen die Angeklagten nicht, bezeichnen sie aber als Ausdruck ihrer Freundschaft. Wulff und sein baden-württembergischer Amtskollege Günther Oettinger waren damals Schirmherren der "Nord-Süd-Dialoge". Auch sie hat das Gericht als Zeugen geladen.

Die heute 62-jährige Zeugin berichtete von "massivem Druck", den Schmidt auf Mitarbeiter, und speziell auch auf Glaeseker, ausgeübt habe, um Sponsoren zu finden. "Wir brauchen Firmen, wir brauchen Kohle", habe Schmidt den Staatssekretär am Telefon gedrängt. Sie habe Schmidt auf Dahl angesetzt, der "sich mal ein Beispiel an Glaeseker nehmen soll". Doch bei Dahl sei sie auf Granit gestoßen.

Aber auch ohne amtliche Hilfe aus Stuttgart flossen für die Promi-Feten rund zwei Millionen Euro von Sponsoren aus der Wirtschaft. Für Schmidts Firmen blieb rund die Hälfte als Gewinn.

Zwei weitere frühere Mitarbeiter Schmidts schilderten das enge Verhältnis zwischen ihrem Chef und Glaeseker. "Das war auf jeden Fall Freundschaft", sagte einer. Die beiden hätten sehr vertraut miteinander geredet, oft gescherzt. Ein Zeuge berichtete zudem von einem Besuch Schmidts im Haus des Ehepaars Glaeseker. "Ich hatte den Eindruck, dass Manfred Schmidt schonmal vorher dort war. Er wusste ganz genau, wo er langgehen musste."