Nach den Terroranschlägen von Kopenhagen verdichten sich die Hinweise auf ein islamistisches Motiv des getöteten Attentäters. Der 22-jährige arabischstämmige Todesschütze wollte sich laut der Zeitung "Berlingske" der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien anschließen. Weil er diesen Wunsch während einer Gefängnisstrafe geäußert habe, hätten ihn die Behörden auf eine Liste radikalisierter Häftlinge gesetzt. Die Polizei nahm unterdessen zwei mutmaßliche Komplizen wegen Verdachts der Mithilfe fest. Sie sollen dem Attentäter "mit Rat und Tat" geholfen haben. Bekannt wurde zudem, dass ein vom Täter verwendetes Gewehr aus Armeebeständen stammt. Die Waffe wurde laut Staatsanwaltschaft zusammen mit 43 weiteren Exemplaren vor sechs Jahren aus einer Kaserne geraubt.

Der 22-Jährige war der Polizei unter anderem wegen Gewaltdelikten und Verstößen gegen das Waffengesetz bekannt. Nach Informationen des dänischen Rundfunks war er erst vor wenigen Wochen aus dem Gefängnis entlassen worden. Der Terrorist hatte am Wochenende ein Kulturcafé angegriffen und dabei einen dänischen Filmemacher erschossen. Vor einer Synagoge tötete er einen jüdischen Wachmann. Die Polizei erschoss den 22-Jährigen bei einer versuchten Festnahme.

An einer Gedenkstunde für die Opfer nahmen gestern Abend in Kopenhagen rund 40 000 Menschen teil. "Ein Angriff auf die Juden Dänemarks ist ein Angriff auf Dänemark - auf uns alle", rief Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt auf der Kundgebung.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erntete derweil mit seinem Aufruf an die in Europa lebenden Juden zur Auswanderung nach Israel Widerspruch. Thorning-Schmidt appellierte an die Juden in Dänemark, ihre Heimat nicht zu verlassen. In Deutschland stellte sich die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, gegen den Aufruf: Der islamistische Terror bedrohe die europäischen Demokratien als Ganzes.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande erklärte, Juden hätten ihren Platz in Europa und insbesondere in Frankreich. Zuvor hatte die Schändung von rund 250 jüdischen Gräbern auf einem Friedhof in Sarre-Union im Elsass Bestürzung ausgelöst. Die Ermittler nahmen fünf Jugendliche fest.