Sicherheit Nach Anschlag in Manchester: Konzertveranstalter überprüfen Sicherheitsstandards

Ulm/Berlin / Helmut Pusch, Stefan Kegel 24.05.2017
Wie gefährdet sind Konzerte? Die Veranstalter beruhigen: die Kontrollen sind streng. Ein Experte warnt: Am Ausgang droht die größte Gefahr.

Der Anschlag in Manchester erschüttert auch die Veranstalterbranche und wirft die Frage auf: Wie sicher sind solche Konzerte in Deutschland? Michael Russ, der Ehrenpräsident des Verbandes der Deutschen Konzertdirektionen, der der Vereinigung 33 Jahre lang vorgestanden hatte,  bewertet die Sicherheitsstandards bei deutschen Veranstaltern als sehr hoch. „Wir versuchen, alles für die Sicherheit unserer Besucher zu tun: Wir tasten die Besucher ab, untersuchen ihre Taschen und Rucksäcke, Flüssigkeiten jeglicher Art sind verboten.“ Dies sei bei allen Konzerten Standard, auch bei jenen mit gesetzterem Publikum. Bei besonders heiklen Konzerten, setze man auch Metalldetektoren und Spürhunde ein und im Eingangsbereich patrouillierten auch Nichtuniformierte, die die Kontrollen aus dem Hintergrund beobachten.  „Das ist ein Standard wie am Flughafen.“ Denkbar sei nur, diesen höchsten Standard bei mehr Konzerten einzusetzen. Doch: „100-prozentige Sicherheit gibt es eben leider nicht.“ 

Live Nation Deutschland, einer der größten Konzertveranstalter der Republik, will seine Sicherheitsvorkehrungen überprüfen: „Wir bitten um Verständnis, wenn wir unsere bereits bestehenden Maßnahmen zum Schutz unserer Veranstaltungen angesichts weiter anpassen“, teilte Live-Nation-Chef Marek Lieberberg mit. Das könnte schon bald passieren, Live Nation ist der Veranstalter des Zwillingsfestivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“, die an Pfingsten stattfinden.

„Intensive Bodychecks“

Fans sollten beim Besuch von Konzerten oder Festivals möglichst wenig mitbringen,  riet Lieberberg. Eine frühe Ankunft erleichtere zudem Kontrollen und „intensive Bodychecks“.

Der Terrorismusexperte Ulf Brüggemann von der Bundesakademie für Sicherheitspolitik sieht eine unverändert hohe Gefahr. Dennoch werfe der Anschlag von Manchester Fragen auf: „Konzerte sind eigentlich gesichert. Aber dieser Anschlag fand im Anschluss daran statt, als die Leute die Halle verlassen haben. Es scheint, als habe es für diesen Bereich keine Kontrollen gegeben. Der Attentäter konnte in diesen Bereich hineingehen, um die Bombe zu zünden. Das wäre schlampige Arbeit der Sicherheitsverantwortlichen.“ Es werde immer eine Schnittstelle zwischen dem gesicherten und dem nicht gesicherten Bereich geben. „Sobald an dieser Stelle die Menschen in Massen zusammen sind, dann ist das ein lohnendes Angriffsziel. Vor allem auf den ersten Metern, wenn die Leute den Veranstaltungsort verlassen.“

Gedränge am Ausgang

Deshalb müsse man nach einer Möglichkeit suchen, dass die Leute nicht so dicht gedrängt aus dem Veranstaltungsbereich hinausgehen, schlägt Brüggemann eine mögliche Lösung, die Gefahr zu bannen, vor. „Wenn Sie das Berliner Olympiastadion ansehen, dann ist der größte Pulk nach einem Fußballspiel direkt am Ausgang. Sobald Sie 50 bis 100 Meter weitergehen, verläuft sich das schon.“ Dieser Bereich müsse ebenfalls besonders gesichert werden, fordert Brüggemann.  Man könne die Leute etwa aus verschiedenen Ausgängen eines Stadions in unterschiedliche Richtungen hinauslenken. „Ich kann mir aber vorstellen, dass das aus praktischer Sicht je nach Ort schwer möglich ist.“

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