Am Sonntag, 15.3.2020, finden in Bayern die Kommunalwahlen 2020 statt: bayernweit rund 4000 Wahlen und in Summe fast 40.000 zu vergebene Mandate. Bei der Wahl zeichnet sich eine spürbar höhere Wahlbeteiligung ab als bei jener vor sechs Jahren. Um 18 Uhr wurden die Wahllokale offiziell geschlossen. Danach beginnen die Wahlvorstände und -helfer mit der Auswertung.

Kommunalwahl im Kreis Neu-Ulm: Ergebnisse der Wahl in Bayern

Bereits im Lauf des Tages zeichnete sich eine spürbar höhere Wahlbeteiligung ab als bei jener vor sechs Jahren. Auch für die Briefwahl haben sich offenbar mehr Wähler entschieden, als bei den Wahlen zuvor.

Kommunalwahl Bayern: Deutlich höhere Wahlbeteiligung

Diese Hochrechnung wurde bestätigt. Wie die dpa am Montag meldete, lag die Wahlbeteiligung bei den Kommunalwahlen in Bayern am Sonntag deutlich höher als beim vergangenen Mal vor sechs Jahren. Darauf deuten die Auswertungen zu den Wahlen der Oberbürgermeister in den kreisfreien Städten und zu den Landräten hin. Ein wesentlicher Grund für das Plus: Es gab deutlich mehr Briefwähler.

Bei den Wahlen der Oberbürgermeister in den kreisfreien Städten und der Landräte in den Landkreisen lag die Wahlbeteiligung diesmal zusammen bei 58,7 Prozent, wie das Landesamt für Statistik am Montag mitteilte. Vor sechs Jahren waren es hier demnach lediglich rund 50 Prozent gewesen.

Bei den OB-Wahlen in den kreisfreien Städten allein waren es diesmal den Angaben nach 48,9 Prozent (plus 6,5 Prozentpunkte). Bei der Wahl der Landräte in den Landkreisen lag die Wahlbeteiligung bei 62,8 Prozent (plus 9,6 Prozentpunkte)

Das Ergebnis für die gesamte Wahlbeteiligung in Bayern inklusive der Abstimmungen über alle Bürgermeisterämter und die Kommunalparlamente steht noch aus. 2014 hatte diese bayernweit bei rund 55 Prozent gelegen - der bisherige Minus-Rekord in der Geschichte der Kommunalwahlen. Bei bayernweit 4000 Wahlen waren diesmal fast 40 000 Mandate zu vergeben.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Wichtiger Stimmungstest für die Parteien

Für die Parteien sind die Kommunalwahlen ein wichtiger Stimmungstest nach der Landtagswahl 2018 und der Europawahl 2019 - wobei Kommunalwahlen traditionell sehr stark als Persönlichkeitswahlen gelten.

In Bayern sind die Menschen einer Umfrage des Bayrischen Rundfunks zufolge recht zufrieden mit der Situation in ihren Kommunen. Bei FDP und AfD zeigte das „Beliebtheits-Barometer“ demnach aber nach unten. Verantwortlich dafür seien unter anderem die Querelen rund um die Wahl des thüringischen Ministerpräsidenten.

OB-Wahlen in Bayern mit Spannung erwartet

Mit Spannung erwartet werden insbesondere die Ergebnisse der Oberbürgermeister-Wahlen in 24 der 25 kreisfreien Städte, vor allem in München, Nürnberg und Augsburg. In 64 der 71 Landkreise werden die Landräte neu gewählt. Vielerorts werden die Spitzenposten aber erst nach den Stichwahlen am 29. März feststehen - dort, wo kein Bewerber schon im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommt.

OB-Wahl in Nürnberg: Stichwahl sehr wahrscheinlich

Im Kampf um das Oberbürgermeisteramt in Bayerns zweitgrößter Stadt Nürnberg läuft alles auf eine Stichwahl hinaus. SPD-Bewerber Thorsten Brehm liegt im Kampf um die Nachfolge seines Parteifreundes Ulrich Maly nach drei Vierteln der ausgezählten Stimmbezirke gleichauf mit dem CSU-Mann Marcus König. Die Landtagsabgeordnete Verena Osgyan, die für die Grünen antritt, liegt abgeschlagen auf Platz 3. Eine Stichwahl zwischen Brehm und König in Nürnberg gilt damit als sicher.

Die Auszählungen der Kommunalwahl in Bayern laufen auf Hochtouren.
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OB-Wahl in Fürth: Thomas Jung so gut wie durch

Fürths SPD-Oberbürgermeister Thomas Jung hat bei der Kommunalwahl am Sonntag beste Chance auf die Wiederwahl. Nach rund 50 Prozent der ausgezählten Stimmbezirke liegt Jung mit gut 73 Prozent der Stimmen praktisch uneinholbar vorn. Der nächstbeste Bewerber, Dietmar Helm von der CSU, kommt nach 91 von 131 ausgezählten Stimmbezirken auf weniger als zehn Prozent. Jung war als klarer Favorit ins Rennen gegangen. Er ist seit 2002 Oberbürgermeister der Stadt Fürth.

Kommunalwahl Bayern: Stichwahl auch in Ingolstadt wahrscheinlich

In Ingolstadt muss wahrscheinlich eine Stichwahl über den neuen Oberbürgermeister entscheiden. Nach Auszählung von nahezu allen Stimmbezirken lag Amtsinhaber Christian Lösel (CSU) bei knapp 34 Prozent, der SPD-Herausforderer Christian Scharpf lag allerdings nur weniger als ein Prozentpunkt dahinter.

Der Wahlkampf in Ingolstadt war durch die Verurteilung des früheren CSU-Oberbürgermeisters Alfred Lehmann vor wenigen Monaten in einem Korruptionsprozess überschattet worden, Lehmann erhielt eine zweijährige Bewährungsstrafe. Vor sechs Jahren konnte sich sein Parteifreund Lösel noch im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit durchsetzen.

OB-Wahl Regensburg: Joachim Wolbergs abgewählt

Der suspendierte und wegen Korruptionsverdacht vor Gericht stehende Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs ist nicht wiedergewählt worden. Bei der Kommunalwahl am Sonntag landete der 49-Jährige mit 17,71 Prozent der Stimmen auf Rang drei. Sichtlich enttäuscht trat Wolbergs am Abend vor die Presse. Er sei mit dem Ziel angetreten, in die Stichwahl zu kommen. Dort treten in zwei Wochen nun CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein und SPD-Politikerin Gertrud Maltz-Schwarzfischer gegeneinander an.

Freudenstein kam auf 29,48 Prozent der Stimmen und ihre SPD-Herausforderin auf 22,15 Prozent. Maltz-Schwarzfischer vertritt als Bürgermeisterin Wolbergs seit dessen Suspendierung im Jahr 2017. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,72 Prozent.

Chiemsee: Bayerns kleinste Gemeinde hat neuen Bürgermeister

Bayerns kleinste Gemeinde hat nach 24 Jahren einen neuen Bürgermeister. In Chiemsee entschied der Elektriker Armin Krämmer die Kommunalwahl am Sonntagabend mit knapp 80 Prozent für sich, wie die Gemeinde mitteilte. Krämmer hatte keinen Gegenkandidaten. Die etwa 190 Wahlberechtigten konnten deshalb eigene Vorschläge auf den Wahlzettel schreiben. Bürgermeister Georg Huber war nach vier Wahlperioden nicht mehr angetreten.

Die Inselgemeinde, zu deren Gebiet neben Frauenchiemsee mit dem Großteil der Bevölkerung sowie Herrenchiemsee mit dem Kloster auch die unbewohnte Krautinsel gehört, hat derzeit knapp 210 Einwohner mit Hauptwohnsitz. Für den achtköpfigen Gemeinderat standen 16 Kandidaten zur Wahl - auf nur einer Liste der Freien Wählergemeinschaft Chiemsee. Bei der Wahl 2014 hatte es noch eine zweite Wählergruppe gegeben, die Wählergruppe Kloster, bestehend aus Ordensfrauen. Dieses Mal aber stand nur eine Nonne zur Wahl, die auf der Liste der Wählergemeinschaft antrat.