Ermittlungen Kommt Öl von der Terrormiliz IS nach Italien?

Rom / Bettina Gabbe 01.08.2017

Italienische Raffinerien verarbeiten mehr Erdöl aus Syrien und dem Irak als offiziell angegeben. Die italienische Finanzpolizei ermittelt nun wegen des Verdachts, dass Terroreinheiten des „Islamischen Staats“ (IS) mit Hilfe der Mafia den Rohstoff aus den von ihnen kontrollierten Regionen nach Italien schmuggeln.

„Die Wirtschaftsaktivitäten des IS sind von seiner Fähigkeit abhängig, Erdöl zu verarbeiten und zu transportieren“, zitierte die römische Tageszeitung „La Repubblica“ aus einem vertraulichen Bericht der italienischen Finanzpolizei. Eine Überprüfung von Raffinerien in Sizilien und Norditalien ergab, dass dort mehr Rohöl aus Syrien und dem Irak verarbeitet wurde, als offiziell angegeben.

Möglicherweise gelangt der Rohstoff über internationale Vermittler nach Italien, deren Schiffe in internationalen Gewässern ihre Transponder abschalten. So verschwinden sie vom Radar der Einsatzzentrale der italienischen Küstenwache. Kleinere Schiffe näheren sich den Tankern sechzig Seemeilen südlich von Malta auf diese Weise unbemerkt. Erst nachdem sie gegen Barzahlung Erdöl auf die Tanker umgeladen hätten, schalteten sie auf der Rückfahrt nach Libyen wieder die Transponder an, vermuten die Ermittler.

Die Spuren verlieren sich

„Wir wissen nicht, ob dahinter der IS steckt oder andere Händler, die nicht zu den Fundamentalisten gehören, denn die Spuren verlieren sich durch die Vermittler“, zitiert „La Repubblica“ einen anonym bleibenden Ermittler. „Sicher ist nur, dass dieses Erdöl nicht dorthin gehörte.“

Der oberste italienische Mafia-Jäger Franco Roberti warnte mehrfach davor, dass Drogen- und Rohstoffhandel Berührungspunkte zwischen internationalem Terrorismus und organisiertem Verbrechen bilden. So spürten italienische Ermittler im Ausland angemeldete Scheinfirmen auf, die  in Italien Benzin zu Niedrigpreisen verkaufen, bevor sie wieder geschlossen werden.

Da der „Islamische Staat“ seine Aktivitäten und Waffenkäufe einzig aus Erdölschmuggel finanzieren kann, wurde vor wenigen Tagen das Mandat der EU-Grenzschutzmission Sophia ausgeweitet. Deren Einheiten sollen nicht nur Jagd auf Schleuserboote machen sondern auch verfolgen, was aus den ausgebildeten Mitgliedern der libyschen Küstenwache wird. Darüber hinaus soll der Einsatz Informationen über illegale Ölexporte aus Libyen sammeln. Dahinter steht der Verdacht, dass Teile der libyschen Küstenwache gemeinsame Sache mit den Schleusern machen.

Für die international anerkannte Regierung in Tripolis und den zweiten starken Mann in Libyen, General Chalifa Haftar, sind die Einnahmen aus Erdöl lebenswichtig. Die Verluste für die Staatskassen durch illegale Rohstoffexporte werden auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. 

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