Kommentar In Treue fest: Kommentar zur Umbenennung von Kasernen

Unser Autor Christoph Faisst ist der Meinung, dass die Namen einiger Kasernen überdacht werden müssen.
Unser Autor Christoph Faisst ist der Meinung, dass die Namen einiger Kasernen überdacht werden müssen. © Foto: Volkmar Könneke
Berlin / Christoph Faisst 17.05.2017

Tradition ist die Überlieferung von Werten und Normen.“ Lapidar beginnt der Erlass, der den Umgang mit dem militärischen Erbe regelt. Die Frage, was in diesem Sinne der soldatischen Treue wert ist, ist so alt wie die Bundeswehr und wird zurecht erneut diskutiert, seit der Stubendurchgang, den Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen angesichts der jüngsten rechtsextremen Umtriebe angeordnet hat, Gegenstände zu Tage fördert, die mit dem offiziellen Verständnis nicht zu vereinbaren sind.

Deutschland wird die Geister der Vergangenheit nicht los. Anders als die US-Streitkräfte, die nicht nur Kasernen sondern sogar Waffensysteme nach Generälen benennen, deren Meriten oft tief im 19. Jahrhundert erworben sind, kann die Bundeswehr angesichts der Geschichte der Wehrmacht gerade nicht auf eine ungebrochene – und damit positiv konnotierte – militärische Tradition verweisen.

Seit jeher ist der Erlass der Versuch, den rechten Rand zu bändigen: 1965 ging es um alte Nazis, die die Bundeswehr mit aufbauten, 1982, als die heutige Fassung entstand, um ihre modernen Wiedergänger. Offenbar ohne Erfolg. Denn die Vorschrift will auf Begriffe wie „Treue, Tapferkeit und Gehorsam“ so wenig verzichten wie auf deren „sittlichen Rang“ im Rahmen des Grundgesetzes.

Dass die Ministerin mit dem Eisenbesen durch die Kasernen fegt, ist richtig. Dass die Namen diverser Einrichtungen überdacht werden, ebenso. Umbenennungen gab es in den vergangenen Jahren einige. Vielleicht mag man ja nun eine „Pionierkaserne Nr.1“ haben. Das eigentliche Problem wird das nicht lösen. Bewusstsein kann nicht befohlen werden – demokratisches schon gar nicht.